Laut einem Bericht der New York Times, auf den RBC-Ukraine verweist, trafen Anfang September die Gesandten des US-Präsidenten Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, im Kreml Wladimir Putin. Dem Blatt zufolge „strahlte' der russische Führer bei den Gesprächen „Selbstsicherheit' aus: Er erklärte, dass die russischen Truppen innerhalb weniger Monate, so seine Einschätzung, den gesamten ukrainischen Donbas erobern würden. Zudem behauptete Putin, Russland sei bereit, massive Schläge gegen das Energiesystem der Ukraine zu führen und damit die Voraussetzungen für einen „schweren Winter' für Kiew zu schaffen.

Kushners scharfer Widerspruch

Ein zentraler Moment des Treffens war laut NYT der direkte Widerspruch Jared Kushners. An Putin gewandt sagte er: „Mit allem Respekt, Sie haben uns vor einem Jahr genau das Gleiche gesagt. Welche Chancen haben wir, dass wir in einem Jahr hierher zurückkommen und Sie wieder dasselbe sagen? Vielleicht sollten wir uns ein Jahr nicht verlieren?' Das Blatt merkt an, dass dieser Austausch die gesamte Komplexität der Situation widerspiegelt, die sich in mehr als eineinhalb Jahren Bemühungen der Trump-Regierung ergeben hat, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beenden.

Offizielle Reaktion Moskaus

Nach den Gesprächen erklärte der Assistent des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, dass die Treffen mehr als drei Stunden gedauert und in einem „inhaltlichen und konstruktiven' Ton stattgefunden hätten. Seinen Worten zufolge habe die amerikanische Seite eine Reihe von Überlegungen zu möglichen Wegen zur Beendigung des Krieges vorgelegt, und Vertreter der Trump-Regierung hätten zugesichert, Putins geäußerte Einschätzungen in den weiteren Verhandlungen mit der Ukraine zu berücksichtigen. Russische Staatsmedien betonten insbesondere, dass Witkoff und Kushner „immer willkommene Gäste' in Russland seien.

Kiew und ein möglicher Winterwaffenstillstand

Unmittelbar nach Moskau besuchten Witkoff und Kushner Kiew, wo sie ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj führten. Wie später bekannt wurde, erwägen die Seiten die Möglichkeit, diesen Winter einen begrenzten Waffenstillstand auszurufen, insbesondere eine gegenseitige Pause bei Angriffen auf die Energieversorgung. Dabei nannte Kushner das Haupthindernis im Prozess: Seinen Worten zufolge hätten die USA den Großteil des Abkommens zur Beendigung des Krieges vorbereitet, doch Kiew stimme den territorialen Forderungen Putins hinsichtlich des Donbas nicht zu.

Widersprüchliche Angaben

Die Unterschiede zwischen den Darstellungen der beiden Seiten betreffen vor allem den Ton und die Bewertung des Treffens. Die russische Seite (Uschakows Erklärung sowie die Darstellung in den Staatsmedien) charakterisiert die Gespräche als „inhaltlich und konstruktiv' und betont die Gastfreundschaft gegenüber den amerikanischen Gesandten, ohne das Thema des scharfen Wortwechsels aufzugreifen. Die NYT hingegen, die sich auf den Verlauf des Gesprächs beruft, verzeichnet einen direkten und ziemlich harten Widerspruch Kushners zu dem Versprechen, den Donbas „in wenigen Monaten' zu erobern. Darüber hinaus stützt sich das direkte Zitat Kushners auf eine einzige Primärkette — die Veröffentlichung der New York Times, die anschließend von mehreren ukrainischen Medien übernommen wurde; eine unabhängige Verifizierung der auf dem geschlossenen Treffen im Kreml geäußerten Worte existiert öffentlich nicht. Beide Darstellungen — „konstruktiver Dialog' nach Moskaus Version und „scharfer Widerspruch' nach NYTs Version — spiegeln unterschiedliche Schwerpunkte wider, keine sich gegenseitig ausschließenden Fakten über die Tatsache des Treffens selbst.