Das Höchste Antikorruptionsgericht (HAKG) hat Serhij Kutsyj – den Fahrer des Prokurors des Büros des Generalstaatsanwalts Serhij Kropywa, der einer der Beschuldigten im hochkarätigen „Karthago“-Fall ist – aus der Untersuchungshaft entlassen. Nach Einzahlung einer Kaution in Höhe von 3 Millionen Hrywnja verließ Kutsyj die Untersuchungshaftanstalt, wie das HAKG gegenüber RBC-Ukraine mitteilte. Damit befindet sich ein weiterer Beteiligter des Falls, der mit dem „Schutzpatronage“ eines Netzwerks betrügerischer Callcenter in Verbindung steht, unter prozessualen Auflagen auf freiem Fuß.
3 Mio. UAH Kaution: Kutsyj verlässt die Untersuchungshaft
Laut Angaben des HAKG wurde Serhij Kutsyj nach Einzahlung der Kaution in Höhe von 3 Millionen Hrywnja aus der Untersuchungshaftanstalt entlassen. Das Gericht verpflichtete ihn dabei, eine Reihe prozessualer Auflagen einzuhalten, die seine Vorladung sicherstellen und möglichen Druck auf Zeugen oder Mittäter verhindern sollen. Der konkrete Katalog der Auflagen wird in den öffentlichen Materialien des Gerichts nicht offengelegt; gerade diese bestimmen jedoch den weiteren Status des Beschuldigten bis zum Abschluss der Ermittlungen.
Was dem Fahrer des Prokurors vorgeworfen wird
Dem Serhij Kutsyj wird die Beteiligung an einer kriminellen Organisation sowie die Legalisierung von Vermögen, das auf kriminellem Wege erlangt wurde, vorgeworfen. Den Angaben des NABU und der SAP zufolge nahm er – so die Ermittlungsversion – von Oktober 2025 bis September 2026 an der Tätigkeit einer Gruppierung teil, die den Betrieb und das „Schutzpatronage“ eines Netzwerks betrügerischer Callcenter sicherstellte. Der Zeitraum seines mutmaßlichen Engagements in der Konstruktion umfasst den Akten zufolge nahezu ein Jahr und endet unmittelbar im Zeitpunkt der hier behandelten Ereignisse.
Kontext des „Karthago“-Falls: von Callcentern bis zum Generalstaatsanwalt
Zuvor hatten NABU und SAP Details der Ermittlungen veröffentlicht, die den Namen „Karthago“ tragen. Wie im Laufe der Ermittlungen herauskam, konnte ein hochrangiger Beamter des Büros des Generalstaatsanwalts betrügerische Callcenter „schützen“. Hauptbeschuldigter des Falls ist Serhij Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Rechtshilfe des OG. Auf den veröffentlichten Aufnahmen erscheint auch der Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko: So habe Kropywa laut Ermittlungen angeblich den Flug seiner Lebensgefährtin nach Spanien kurz vor der geplanten Dienstreise des Generalstaatsanwalts selbst dorthin organisiert.
Reaktion der Behörden: Festnahme Kropywas und Rücktritt Krawtschenkos
Am 6. September setzte das Höchste Antikorruptionsgericht Kropywa unter der Möglichkeit der Kaution in Höhe von 120 Millionen Hrywnja in Untersuchungshaft. Später, am 14. September, unterzeichnete Krawtschenko überraschend den Verdacht gegen den NABU-Direktor Semen Krywonos und reiste – laut Berichten – ins Ausland aus. Am selben Tag erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass für Krawtschenko nur ein Weg bleibe – die Entlassung aus dem Amt – und rief die Rada auf, die Entscheidung nicht zu verzögern. Am nächsten Tag billigte das Parlament die Entlassung Krawtschenkos vom Posten des Generalstaatsanwalts. Die Entlassung Kutsyjs gegen Kaution in Höhe von 3 Millionen Hrywnja wurde zu einem weiteren Schritt in der Entwicklung des „Karthago“-Falls, der weiterhin die Agenda um die ukrainischen Antikorruptionsbehörden prägt.