Der ukrainische Lebensmitteleinzelhandel durchläuft eine fundamentale Transformation. In den letzten sechs Jahren hat die Branche ihre Entwicklungsrichtung geändert: Die Ära der riesigen Hypermärkte ist zu Ende und weicht kompakten Formaten. «Läden um die Ecke» und Discounter sind zu den wichtigsten Wachstumstreibern geworden, die sich an die neuen Realitäten und das veränderte Verbraucherverhalten anpassen.

Explosionsartiges Wachstum der Filialanzahl

Die Statistiken der letzten Jahre zeigen eine beeindruckende Dynamik. Wurden 2022 noch 525 neue FMCG-Verkaufsobjekte im Land eröffnet, stieg diese Zahl bis 2025 auf 902. Quantitativ ausgedrückt wuchs der ukrainische Lebensmitteleinzelhandel in diesem Zeitraum um 41,8 %. Dieses Wachstum wird jedoch nicht durch die Erweiterung der Verkaufsflächen erreicht, sondern durch die Dichte des Netzes kleiner Formate.

Laut Igor Gughli, Mitbegründer des Fachportals All Retail, war der Mangel an großen Formaten bereits vor Beginn des umfassenden Krieges spürbar. Vier Jahre Kampfhandlungen verschärften die Situation lediglich und machten Logistik und Produktverfügbarkeit zu kritischen Überlebensfaktoren für Unternehmen.

Wer überlebt im Segment der großen Flächen?

Heute ist der Markt der großen Formate de facto von zwei Akteuren monopolisiert: «Silpo» und Novus. Genau diese Betreiber sind die einzigen, die weiterhin klassische Supermärkte und Hypermärkte ausbauen. Die übrigen Marktteilnehmer haben ihre Ressourcen auf praktischere und wendigere Formate umgelenkt.

Die Expansion großer Ketten erfolgt nun vor allem über Marken mit kleinerem Format. So baut die Fozzy Group aktiv die Netzwerke «Fora» und «Trash» aus, während Novus auf das Format «My Market» setzt. Die Strategie besteht darin, näher am Kunden zu sein und ihm Komfort und Geschwindigkeit zu bieten.

Fusionen und Übernahmen: Das Beispiel Varus

Ein Paradebeispiel für die Anpassung an neue Bedingungen war der Deal der Managementgruppe Terwin. Der Kauf der Kette «Kolo» ermöglichte dem Konzern Varus, seine Positionen im Segment des Convenience-Retail (Läden für den täglichen Bedarf) erheblich zu stärken. Die Transaktion, die 254 Verkaufsstellen umfasste, festigte insbesondere die Präsenz des Unternehmens in Kiew, wo der Wettbewerb um den Kunden am intensivsten ist.

Der Sieg regionaler Akteure

Trotz der aggressiven Expansion bundesweiter Marken überleben regionale Ketten nicht nur, sondern halten starke Positionen. «Fajno Market» und «Blyzjenko» sind Beispiele für erfolgreichen Betrieb in ihren Nischen. Ihr Vorteil liegt im tiefen Verständnis der lokalen Nachfrage und der Nähe zum Endverbraucher.

Andrei Zhuk, Präsident der Vereinigung der Einzelhändler der Ukraine, stellt fest, dass der erhöhte Wettbewerb die Unternehmen effizienter arbeiten lässt. Eine massenhafte Verdrängung kleiner Akteure findet nicht statt, da ihr «Barometer» der Nachfrage und ihre geografische Nähe zu den Kunden ein unbestrittenes Wettbewerbsvorteil bleiben.

So haben Krieg und die Transformation der Verbrauchergewohnheiten das Format «Laden um die Ecke» zum Hauptprofiteur der letzten Jahre gemacht. Der Markt ist fragmentierter geworden, aber auch reaktionsschneller auf die Bedürfnisse der Bevölkerung.