In Moskau wurde auf den offenen Brief des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Wladimir Putin scharf reagiert. Der russische Außenminister Sergei Lawrow erklärte, dass die Veröffentlichung eines solchen Dokuments „kein Verhalten höflicher Menschen sei“.

Der Brief, der kein Geheimnis war

Am 4. Juni veröffentlichte das Büro des ukrainischen Präsidenten den Text von Selenskyjs Appelle an Putin. Darin schlug der ukrainische Führer ein Treffen in einem Drittland vor, um die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden zu diskutieren. Dabei war dem Präsidentenstabs bewusst, dass der Kreml wahrscheinlich nicht konstruktiv reagieren würde. Der Brief zielte auf mehrere Zielgruppen ab – nicht nur auf den russischen Führer, sondern auch auf die russischen Eliten sowie die internationale Gemeinschaft.

Reaktion aus dem Kreml: „Das sind keine Verhandlungen, sondern ein Hinweis auf ihre Unnötigkeit“

Auf dem St. Petersburger internationalen Wirtschaftsgipfel (SPIEF) kommentierte Wladimir Putin die Situation persönlich. Laut Lawrow bewertete der russische Präsident den Brief „eher als Hinweis darauf, dass Verhandlungen in der Ukraine nicht notwendig sind“. Er betonte, dass die Veröffentlichung der Appelle mit gleichzeitiger weltweiter Verteilung kein diplomatischer Schritt, sondern ein politischer Akt sei.

Putin lehnte den Vorschlag ab und antwortete mit Spott

Am 5. Juni lehnte Putin auf dem SPIEF offiziell den Vorschlag für ein Treffen ab. Seine Antwort wurde von einer Reihe von Erklärungen begleitet, die Beleidigungen und Spott gegenüber Selenskyj und seiner Initiative enthielten. Dies war eine erwartete Entwicklung der Ereignisse, angesichts der vorherigen Position Moskaus zu Fragen der Verhandlungen.

Antwort aus Kiew: „Er hat die Chance verpasst, aus dem gescheiterten Krieg auszusteigen“

Der ukrainische Außenminister Andriy Sybyga erklärte als Reaktion auf die Reaktion des Kremls, dass Putin „die Möglichkeit verpasst habe, aus dem gescheiterten Krieg auszusteigen“. Er betonte, dass der internationale Druck auf Russland nur zunehmen werde, insbesondere nach dieser öffentlichen Ablehnung des Dialogs.

Warum ist das wichtig?

Die Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass selbst formelle Friedensvorschläge von den Parteien als Instrument der Innen- und Außenpolitik genutzt werden können. Für die Ukraine ist dies ein Weg, um der Welt ihre Bereitschaft zu Verhandlungen zu zeigen. Für Russland ist es ein Grund, zu betonen, dass ein Dialog ohne vorherige Bedingungen unmöglich ist, die Kiew nicht zu akzeptieren bereit ist.