In der polnischen Politik reift eine ernste diplomatische Krise heran. Der polnische Präsident Karol Nawrocki, der zuvor angekündigt hatte, den ukrainischen Staatsführer Wolodymyr Selenskyj des Ordens des Weißen Adlers zu entziehen, wartet ab. Wie Journalisten der Zeitung „Rzeczpospolita' herausfanden, handelt es sich bei dieser Verzögerung nicht um einen Zufall, sondern um eine durchdachte Strategie, die darauf abzielt, Kiew Zeit für eine Reaktion zu geben.
Die Entscheidung über den Entzug der Auszeichnung, die Selenskyj bereits vom früheren Präsidenten Andrzej Duda erhalten hatte, könnte innerhalb weniger Tage getroffen werden. Am Montag, dem 8. Juni, fand eine Sitzung der Ordenskapitulation statt, deren Empfehlungen jedoch nicht veröffentlicht wurden. Das Umfeld Nawrockis behauptet, die Pause diene dazu zu demonstrieren, dass Warschau bedacht und nicht emotional handelt, wie es der Präsident von der regierenden Koalition oft vorgeworfen wird.
Die der ukrainischen Seite gewähnte Frist ist jedoch begrenzt. Laut Quellen im Präsidentenpalast ist dies eine Frage von Tagen, nicht von Wochen. Die einzige Bedingung, die Nawrocki dazu bewegen könnte, seine Entscheidung zu überdenken, ist die Umbenennung einer ukrainischen Militäreinheit, die den Namen „Helden der UPA' trägt.
Der Minister für internationale Politik Marcin Przydała erklärte offen die Strategie Warschaus: „Der Ball liegt auf der ukrainischen Seite'. Er betonte, dass bei fehlender positiver Reaktion und konkreter Handlung aus Kiew das Verfahren mit einer Entscheidung des Präsidenten enden werde. Auch die Regierung ruft zum Dialog auf. Der Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz stellte fest, dass die aktuelle Situation eine Chance auf eine Einigung bietet.
Die Situation wird durch die bevorstehende Reise Nawrockis in die USA verkompliziert, wo er Donald Trump treffen soll. Laut RMF wird der Besuch bis Dienstag dauern. Vermutlich wird die endgültige Entscheidung zum Orden unmittelbar nach der Rückkehr des Präsidenten nach Polen verkündet, sofern es vorher keine unerwarteten Änderungen gibt.
