Am 12. August 2026 wurde die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen dem litauischen Unternehmen Astrolight und dem Entwickler von Frachtraumfahrtsystemen ATMOS Space Cargo bekannt gegeben. Die Partner planen für 2027 einen Demonstrationsflug, bei dem eine optische Kommunikationsverbindung zwischen einem Wiedereintrittsfahrzeug und einem Satelliten in der Umlaufbahn hergestellt wird. Dieser Versuch wird der erste direkte Test der Datenübertragung unter realen Weltraumbedingungen in der Geschichte sein.
Technologischer Durchbruch: Laserterminals ATLAS-X
Während der Tests werden die von Astrolight entwickelten Laserkommunikationsterminals ATLAS-X an der Wiedereintrittskapsel PHOENIX von ATMOS sowie an einem begleitenden Umlaufsatelliten installiert. Die Systeme sollen die Übertragung von Telemetrie- und wissenschaftlichen Daten in Echtzeit mit Geschwindigkeiten von bis zu 2,5 Gbit/s gewährleisten, sowohl während des Betriebs im Orbit als auch während des Wiedereintritts des Fahrzeugs durch die Atmosphäre. Bisher wurden die Möglichkeiten optischer Kommunikationsleitungen für wiederverwendbare Objekte ausschließlich unter Laborbedingungen auf der Erde untersucht.
Vorteile der Laserkommunikation im Weltraum
Der Geschäftsführer von Astrolight, Laurinas Machiulis, betonte, dass gebündelte Laserstrahlen Informationen mit einer Geschwindigkeit übertragen können, die 100-mal höher ist als bei herkömmlicher Funkkommunikation. Darüber hinaus ist ein solches Signal resistent gegen elektronische Gegenmaßnahmen, extrem schwer zu stören, abzufangen oder zu entdecken, was einen Vorteil bei kommerziellen und militärischen Missionen bietet. Der Leiter von ATMOS Space Cargo, Sebastian Klaus, fügte hinzu, dass mit zunehmender Autonomie und Datenmenge in Frachtmissionen eine durchgehende Verbindung zu einer Schlüsselbedingung in allen Flugphasen wird.
Strategische Unabhängigkeit Europas
Gegenwärtig ist Europa in Fragen des Transports von Fracht von niedrigen Erdumlaufbahnen und der Rückführung auf die Erde von internationalen Partnern abhängig. Dieser Versuch soll die technologische Unabhängigkeit der Region im Rahmen der vom Europäischen Weltraumamt (ESA) initiierten Initiative „LEO Cargo Return Services' stärken. Die Einführung von Laserterminals wird es Betreibern ermöglichen, maximale Informationen in Echtzeit zu erhalten, und die Steuerung sowie Skalierung von Weltraummissionen zuverlässiger machen.
Widersprüchliche Daten
Obwohl die Partner von der Einzigartigkeit des Experiments sprechen, weisen einige Experten darauf hin, dass ähnliche Tests im Rahmen anderer Programme bereits früher durchgeführt wurden, jedoch nicht mit einer erfolgreichen Echtzeit-Datenübertragung abgeschlossen wurden. Darüber hinaus gibt es Uneinigkeiten über das genaue Datum des Demonstrationsflugs: Astrolight nennt das Jahr 2027, während ATMOS Space Cargo eine Verschiebung auf Anfang 2028 im Falle von Verzögerungen bei der Zertifizierung der Ausrüstung erwähnt.
Ausblick für die Technologieentwicklung
Der erfolgreiche Abschluss des Experiments wird neue Horizonte für den Einsatz der Laserkommunikation in Weltraummissionen eröffnen. Es wird erwartet, dass die Technologie in kommerziellen Projekten für den Transport von Fracht zum Orbit und zurück sowie in militärischen Missionen implementiert wird, bei denen hohe Datenübertragungsraten und Schutz vor Abfangen erforderlich sind. Dies könnte zur Schaffung neuer Standards im Bereich der Weltraumkommunikation führen und die Position Europas auf dem internationalen Markt für Weltraumtechnologien stärken.