Am Donnerstag, dem 2. Juli, verkündete der litauische Präsident Gitanas Nausėda eine beispiellose Entscheidung: Das Land beabsichtigt, den Artikel aus der Verfassung vollständig zu streichen, der die Stationierung von Atomwaffen verbietet. Laut dem Staatsoberhaupt hat sich unter den Führern der Parlamentsparteien eine „fast einstimmige“ Unterstützung für diese Initiative gebildet.
Das Ende der „Grauzone“ innerhalb der NATO
Es geht um Artikel 137 der litauischen Verfassung, der historisch gesehen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen und ausländischen Militärbasen auf dem Territorium der Republik verbot. Nausėda erklärte, dass nach Konsultationen mit den Fraktionsführern deutlich wurde: Diese Rechtsnorm ist veraltet und entspricht nicht mehr den modernen Sicherheitsrealitäten.
„Die Meinungen waren fast einstimmig. Fast alle Führer der Parlamentsfraktionen äußerten die Auffassung, dass Artikel 137 nicht nur geändert, sondern vollständig gestrichen werden sollte“, betonte der Präsident im Gespräch mit Journalisten.
Das 2004 in den Nordatlantikpakt eingetretene Litauen möchte nicht länger in der sogenannten „Grauzone“ verbleiben. Vilnius ist der Ansicht, dass die Aufrechterhaltung des gesetzlichen Verbots das Land zum Außenseiter innerhalb des Militärbündnisses macht, während die Bedrohungen durch die Nachbarn zunehmen.
Kontext der Eskalation und das Beispiel Finnlands
Das Interesse Vilnius' an der Stationierung amerikanischer Atomwaffen auf seinem Territorium ist nicht zufällig. Dies wird als notwendiges Mittel zur Eindämmung Russlands betrachtet. Vor dem Hintergrund dieser Initiative sorgt eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung der Zeitung The Guardian für Aufsehen, die Daten über eine großangelegte Spionageoperation Moskaus offengelegt hat. Laut den Journalisten startete Russland im Laufe von 18 Monaten Drohnen von Schiffen seiner „Schattenflotte', um strategische Atomobjekte in mehreren europäischen Ländern zu überwachen.
Litauen folgt dem Weg, den Finnland bereits eingeschlagen hat. Ende Juni 2026 unterzeichnete der finnische Präsident Alexander Stubb offiziell Änderungen im Atomenergiegesetz. Dieser Schritt legalisierte den Import, Transit und die Lagerung von Atomwaffen auf dem Territorium des Landes und integrierte es in das Verteidigungssystem der NATO. Nun ist Vilnius bereit, einen ähnlichen Schritt zu tun.
Was kommt als Nächstes
Es wird erwartet, dass der litauische Seimas in naher Zukunft mit dem Verfahren zur Einführung entsprechender Änderungen im Grundgesetz beginnen wird. Diese Entscheidung verändert den Status quo in der baltischen Region grundlegend und zeugt von der Bereitschaft der NATO-Länder, Sicherheitsmaßnahmen als Reaktion auf die Aktionen Russlands zu eskalieren.