In der Rüstungsindustrie, wo die Entwicklung neuer Systeme traditionell Jahre in Anspruch nimmt, hat sich ein technologischer Wandel vollzogen. Der US-Konzern Lockheed Martin hat den Entwicklungszyklus eines Kampfdrohnen-Prototyps von mehreren Jahren auf zwölf Monate verkürzt. Die neue Drohne, die den Namen Replicator trägt, ist das erste Ergebnis radikal neuer Produktionsmethoden, die es ermöglichen, klassische Fertigungsstraßen und komplexe Lieferketten zu umgehen.
Investitionen in Geschwindigkeit
Der Schlüssel zur Beschleunigung war eine strategische Investition von Lockheed Martin in Höhe von 25 Millionen US-Dollar. Die Mittel flossen an den kalifornischen Start-up Divergent Technologies. Genau deren Technologien ermöglichten die Erstellung eines autonomen Fluggeräts mit einer Flügelspannweite von 2,7 Metern in Rekordzeit. Das Projekt Replicator zeigt, wie die Integration fortschrittlicher Fertigungsmethoden den Ansatz zur Herstellung militärischer Ausrüstung verändert.
Digitale Revolution in der Produktion
Hauptinstrument dieser Transformation wurde das Adaptive Production System (DAPS). Es verband die Phasen Konstruktion, ingenieurtechnische Analyse, Druck und Qualitätskontrolle in einem einzigen digitalen Workflow. Dies ermöglichte es, die Lücke zwischen Konstruktion und Fertigung zu schließen:
- Einheitliche digitale Umgebung: Jede Änderung im Computermodell – sei es die Größe eines Bauteils oder die Materialspezifikation – berechnet die Belastungen sofort neu und aktualisiert die Fertigungsaufträge.
- Schichtweise Fertigung: Anstelle einer langen mechanischen Metallbearbeitung oder des Gießens werden komplexe Rumpfbauteile schichtweise direkt aus digitalen Dateien aufgebaut.
- Gewichtsoptimierung: Additive Fertigungsverfahren ermöglichen geometrische Formen, die für herkömmliche Maschinen unzugänglich sind. Dies macht die Drohnenkomponenten gleichzeitig leichter, robuster und aerodynamischer.
Das Erbe von Skunk Works
Die Entwicklung oblag dem berühmten Skunk Works-Abteilung. Seit 1943 wurden hier legendäre Projekte geschaffen: die Aufklärer U-2 und SR-71 Blackbird sowie die ersten Stealth-Jäger F-117 und F-22 Raptor. Das traditionelle Arbeitsmodell der Abteilung basiert auf kleinen Teams von Spezialisten ohne unnötige Unternehmensbürokratie.
Die Kombination dieses flexiblen Managementmodells mit den Technologien von Divergent ermöglichte es dem Team, Teile zu produzieren, zu testen und Änderungen innerhalb von Tagen und nicht Monaten vorzunehmen. Während die Überarbeitung von Zeichnungen früher Wochen dauern konnte, wurde der Feedback-Zyklus nun auf ein Minimum reduziert.
Strategie der Zukunft
Die Geschäftsführung von Lockheed Martin betont, dass das Projekt Replicator sich derzeit noch im Forschungsstadium befindet und kein bestätigter Vertrag für die Massenproduktion ist. Das Hauptziel ist die Erprobung von Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit auf neue Bedrohungen. Dieser Schritt fügt sich in die umfassendere Strategie des Konzerns ein, Anteile an vielversprechenden Start-ups zu erwerben. Neben Divergent investiert das Unternehmen auch in den Hersteller autonomer Seekatamarane Saildrone und den Entwickler von Drohnenabwehrsystemen Fortem Technologies.