Der US-amerikanische Rüstungsriese Lockheed Martin hat offiziell zugegeben, dass er den US-Verbündeten keine konkreten Lieferfristen für Abfangraketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme garantieren kann. Dies teilte Brian Dunn, Vizepräsident für Strategie und Geschäftsentwicklung im Raketenbereich des Unternehmens, mit, wie RBC-Ukraine unter Berufung auf die Financial Times berichtet.
Die Situation bei der Produktion und Logistik von Munition hat einen kritischen Punkt erreicht. Laut einem Unternehmenssprecher steigert das Unternehmen zwar aktiv das Produktionsvolumen der PAC-3-Raketen, doch der Mangel an Produkten hat sich vor dem Hintergrund der Eskalation des Konflikts mit dem Iran erheblich verschärft. Dies hat eine beispiellose Nachfrage erzeugt, die die bestehenden Kapazitäten derzeit nicht vollständig decken können.
Sorgen der wichtigsten Partner
Das Lieferproblem hat ernste Besorgnis unter den Verbündeten ausgelöst, die Patriot-Systeme einsetzen. Zu den am meisten besorgten Staaten gehören Deutschland, Japan, Polen, die VAE und Saudi-Arabien. Dunn bestätigte auf der Berliner Luftfahrtausstellung ILA, dass die Spannungen aufgrund der Unsicherheit zunehmen.
Obwohl neue Produktionskapazitäten, so die Einschätzung des Herstellers, dazu beitragen sollten, die Bedürfnisse in kürzerer Zeit zu decken, liegt die endgültige Entscheidung darüber, wer zuerst die Raketen erhält, außerhalb der Zuständigkeit von Lockheed Martin.
„Offensichtlich gibt es derzeit viele Aussagen des Pentagons darüber, wie sie die Reihenfolge ändern und neu organisieren wollen, wer zuerst die Raketen erhält. Wir können niemandem sagen, welche Position Sie in der Prioritätenliste einnehmen. Wir kontrollieren nichts davon', betonte Dunn.
Zunehmender Skeptizismus und Enttäuschung
Paula Gartley, Leiterin der Raketenabteilung von Lockheed Martin, wies auf eine Veränderung des Tons im Dialog mit ausländischen Regierungen hin. Bei Treffen stößt man immer häufiger auf eine skeptische Haltung gegenüber US-Rüstungsauftragnehmern.
„Sie sind empört darüber, dass es manchmal zu Verzögerungen und einem Mangel an benötigten Produkten kommt, und manchmal entsteht Unzufriedenheit mit der Regierung. Ich verstehe diese Enttäuschung', gab Gartley zu.
Kritische Lage an der Front
Das Problem des Raketenmangels hat direkte Folgen für die Sicherheit in der Ukraine. Zuvor hatte der Sprecher der ukrainischen Luftstreitkräfte, Jurij Ignat, über einen akuten Mangel an Munition für die Systeme Patriot, NASAMS und IRIS-T berichtet. Laut ihm sind die Vorräte in einzelnen Einheiten praktisch erschöpft, was das Land anfällig für Angriffe macht.
Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte das Vorliegen einer politischen Vereinbarung über den Erwerb zusätzlicher Patriot-Systeme, doch die Umsetzung des Abkommens verzögert sich aufgrund finanzieller, rechtlicher und technischer Schwierigkeiten. Vor dem Hintergrund verstärkter russischer Beschussaktionen wandte sich der Staatschef in einem dringenden Schreiben an den US-Präsidenten Donald Trump und den Kongress und betonte, dass der Mangel an Luftabwehrmitteln eine direkte Bedrohung für die Zivilbevölkerung darstellt.
Als langfristige Lösung erwägt die Ukraine die Möglichkeit der Lokalisierung der Produktion. Insbesondere werden Verhandlungen mit den USA über die Erlangung einer Lizenz zur Produktion von Patriot-Systemen in Zusammenarbeit mit Partnern geführt, was dazu beitragen sollte, die Abhängigkeit von Lieferplänen aus dem Ausland zu verringern.