Die Situation mit der Lieferung hochtechnologischer Waffen für die Luftabwehr ist in eine kritische Phase eingetreten. Das Unternehmen Lockheed Martin hat seine Auftraggeber offiziell darüber informiert, dass es keine genauen Liefertermine für PAC-3-Raketen für Patriot-Luftabwehrraketenkomplexe (LAW) nennen kann. Dieser Mangel wird akut empfunden, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Ukraine diese Schutzmittel gegen ballistische Bedrohungen dringend benötigt.
Die Produktion hinkt der Realität hinterher
Vizepräsident des Raketenbereichs von Lockheed Martin, Brian Dunn, bestätigte, dass das Unternehmen keine konkreten Zeitrahmen nennen kann. Laut ihm wird die Ausweitung der Produktionskapazitäten es ermöglichen, die Nachfrage in kürzerer Zeit zu decken, aber die aktuelle Situation bleibt angespannt. Der Kern des Problems liegt nach Ansicht des Luftfahrtexperten Konstantin Krivolap darin, dass die Weltgemeinschaft nicht auf das Ausmaß moderner Konflikte vorbereitet war.
Die Dynamik der Produktion von PAC-3-Raketen zeigt einen steilen Anstieg, der durch die veränderte geopolitische Lage ausgelöst wurde:
- Im Jahr 2017 wurden im gemeinsamen Werk von Lockheed Martin und Raytheon in Arizona etwa 150 Raketen pro Jahr produziert.
- In den Jahren 2018–2019 stiegen die Zahlen auf 200–250 Einheiten.
- Im Jahr 2022 erreichte das Produktionsvolumen 500 Raketen.
- Heute geht es um 650 Raketen pro Jahr.
Der Experte stellt fest, dass die Nachfrage zuvor gering war, da die Auftraggeberländer, insbesondere die Staaten am Persischen Golf, eine begrenzte Anzahl von Raketen für ausreichend zur Abschreckung hielten. Saudi-Arabien hatte beispielsweise etwa 750 Einheiten auf Lager. Insgesamt wurden während der gesamten Produktionszeit nur etwa 4000–4500 PAC-3-Raketen hergestellt.
Monopol und Verweigerung von Lizenzen
Ein wichtiger Faktor, der die Situation verschärft hat, war die Unwilligkeit der USA, Technologien zu teilen. Die amerikanische Seite verweigerte Europa lange Zeit die Lizenz zur Produktion von PAC-3-Raketen. Deutschland, das bereits PAC-2-Raketen für Patriot-Systeme herstellt, hatte einen entsprechenden Antrag gestellt, wurde jedoch abgelehnt. Die USA boten Europa an, sich auf den eigenen Schutz vor ballistischen Bedrohungen zu verlassen, um ihr Monopol in diesem Bereich zu wahren.
Heute sind die amerikanischen Patriot-Systeme der einzige Schild der Ukraine gegen russische ballistische Raketen. Ihre Anzahl entspricht jedoch nicht dem Umfang der Bedrohungen. Im vergangenen Jahr hat der Gegner etwa 650 ballistische Iskander-Raketen gestartet, was die Anzahl der an die Ukraine gelieferten PAC-3-Raketen übersteigt. Krivolap betont, dass der Mangel an Abfangmitteln chronisch geworden ist.
Die ukrainische Alternative: Projekt FP-7.x
Aufgrund der Probleme mit den amerikanischen Lieferungen gewinnen Entwicklungen einheimischer Ingenieure an Aktualität. Das ukrainische Unternehmen Fire Point berichtete von erfolgreichen Flugtests der Flugabwehrrakete FP-7.x. Die Entwickler positionieren dieses Produkt als eine günstigere Alternative zur PAC-3-Rakete.
Die neue Rakete wird ein Schlüsselelement eines paneuropäischen Luftabwehrsystems namens Freya sein. Das System wird auch Radare, Erkennungssysteme und Kommando- und Kontrolleinheiten umfassen, die von europäischen Partnern hergestellt werden. Experten sind der Ansicht, dass Europa ein System zusammenstellen kann, das dem amerikanischen Patriot nicht nachsteht, ihm jedoch eine eigene effektive Anti-Ballistik-Rakete fehlte. Die FP-7.x könnte das fehlende Glied sein.
Der Entwicklungsplan sieht wie folgt aus: Im Juni und Juli wird Fire Point Flugtests der Rakete FP-7 durchführen. Nach Erhalt der Infrarot-Suchköpfe von der deutschen Firma Diehl Defence beginnen die Tests der Modifikation FP-7.x. Das gesamte Freya-System könnte theoretisch bis Ende des Jahres für die ersten Tests zusammengebaut werden. Allerdings, wie Konstantin Krivolap anmerkt, muss in Europa der notwendige politische Wille für die Umsetzung dieses Szenarios vorhanden sein.