In Kiew wurde auf Gerüchte reagiert, wonach die Änderung der Flugrouten von Präsident Wolodymyr Selenskyj mit diplomatischen Spannungen zwischen der Ukraine und Polen zusammenhängt. Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Georgij Tychyj, erklärte, dass Fragen zur Logistik des Staatsoberhauptes nicht Gegenstand politischer Spekulationen sein sollten.
Sicherheit vor Politik
Während eines Briefings betonte der Vertreter des Außenministeriums, dass die Organisation der Bewegungen des Präsidenten in der Zuständigkeit des Protokollamtes liegt und separat geregelt wird. Laut Tychyj sollte diesen Fragen nicht unnötig Aufmerksamkeit geschenkt werden, vor allem aus Sicherheitsgründen.
„Lasst uns Fragen der Logistik nicht politisieren', forderte der Diplomat. Er bezeichnete den Versuch, die Änderung der Route mit dem diplomatischen Skandal in Verbindung zu bringen, der durch die Verleihung des Titels „Helden der UPA' an eine militärische Einheit ausgelöst wurde, als „künstlich'.
Wechsel der Flughäfen und die Reaktion Warschaus
Anlass für die Diskussion war der Flug Selenskyjs nach Großbritannien am 7. Juni. Anstatt des üblichen polnischen Flughafens in Rzeszów wählte der ukrainische Präsident eine Route über Kișinău. Dieses Ereignis löste eine heftige Reaktion in polnischen politischen Kreisen aus.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk kommentierte die Situation und stellte fest, dass die Entscheidung über die Route eine persönliche Wahl des ukrainischen Führers sei. „Präsident Selenskyj nutzt andere Möglichkeiten als Rzeszów, und das war's. Ich werde ihm nicht sagen, woher und wie er fliegen soll. Rzeszów wurde nicht geschlossen', betonte der polnische Ministerpräsident.
Tusk wies auch die Vermutungen zurück, Warschau habe die Arbeit des Flughafens eingeschränkt, um Kiew in der Frage der Benennung eines ukrainischen Bataillons unter Druck zu setzen.
Das Wesen des Konflikts: UPA und Orden
Der diplomatische Streit begann am 26. Mai, als Wolodymyr Selenskyj dem separaten Zentrum für Spezialoperationen „Nord' den Ehrentitel „zu Ehren der Helden der UPA' für vorbildliche Erfüllung von Kampfaufgaben verlieh. Diese Entscheidung stieß in Polen auf scharfe Kritik.
Der polnische Präsident Karol Nawrocki erklärte, er schließe die Möglichkeit nicht aus, Selenskyj des höchsten Staatsordens – des Weißen Adlerordens – zu entziehen. Gleichzeitig besteht das ukrainische Außenministerium darauf, dass Kiew nicht beabsichtigte, die polnische Seite zu beleidigen. Das Ministerium erklärte, dass die UPA für Ukrainer den Kampf gegen den russischen Imperialismus und die Besatzung symbolisiert.
Angesichts dieser Ereignisse forderte Donald Tusk die Führung beider Länder zu einem direkten Dialog auf, damit Streitigkeiten die ukrainisch-polnische Solidarität angesichts der russischen Aggression nicht untergraben.