In den britischen politischen Kreisen entfacht eine massive Debatte nach einer unerwarteten und scharfen Initiative zur Rückgängigmachung der Brexit-Folgen und zur Wiederherstellung einer tiefen Integration mit dem Kontinent. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan forderte auf der jährlichen Labour-Parteitagung in Liverpool nachdrücklich, dass das Land unverzüglich in die Europäische Union zurückkehren müsse – und zwar ohne die Durchführung eines neuen landesweiten Referendums.
Sadiq Khans Fahrplan: Von der Zollunion zum Binnenmarkt
Berichten der einflussreichen britischen Zeitung The Independent zufolge wandte sich der Bürgermeister mit einer klaren Integrationsstrategie an die Regierung. Der vorgeschlagene Plan sieht die sofortige Rückkehr in die EU-Zollunion zur Senkung schwerer Handelshemmnisse vor, gefolgt von einem assoziierten Mitgliedschaftsstatus und der vollständigen Akzeptanz des Europäischen Binnenmarktes. Khan forderte zudem, diesen ambitionierten Kurs in das kommende Wahlmanifest der Labour-Partei aufzunehmen.
Wirtschaftliche Folgen des Brexits und Haltung Brüssels
Die Rede des Londoner Stadtoberhaupts legte die systemischen Probleme der britischen Wirtschaft offen, die nach dem Bruch mit der EU mit chronischer Inflation und Fachkräftemangel konfrontiert ist. Analysten betonen, dass der Verzicht auf ein erneutes Referendum darauf abzielt, eine tiefe innenpolitische Spaltung der britischen Gesellschaft zu vermeiden. Experten warnen jedoch, dass Brüssel kaum selektiven Vorteilen zustimmen wird, ohne dass London grundlegende Verpflichtungen erfüllt.
Widersprüchliche Daten
Während der Bürgermeister auf einer raschen institutionellen Annäherung beharrt, nehmen offizielle Regierungsvertreter und die Parteiführung eine zurückhaltendere Haltung ein. Der Premierminister konzentriert sich auf die pragmatische Verbesserung der bilateralen Beziehungen und die Vorbereitung des kommenden UK-EU-Gipfels. Diese Diskrepanzen werfen Fragen über die Umsetzbarkeit des vorgeschlagenen Fahrplans auf.