In der Nacht zum 19. Oktober hat Russland zwei ballistische Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt verübt — um 23:00 Uhr und um 03:00 Uhr. Nach Angaben des Sprechers der ukrainischen Luftstreitkräfte, Jurij Ihnat, die er in einer Sondersendung im Fernsehen äußerte, handelte es sich um Raketen der Typen „Iskander-M“ und S-400, wobei die endgültige Identifizierung der Munition durch Experten noch aussteht. Kritisch war die Tatsache, dass für den ersten Start keine rechtzeitige Warnung von Partnern eingegangen war. Ihnat räumte ein, dass „ein bestimmtes Problem vorliegt“, und verglich diese Nacht mit dem vergangenen Dienstag, als bei einem massiven Angriff mit 39 Raketen die Informationen der Verbündeten ebenfalls erst beim zweiten Versuch eintrafen.
Wie die Warnkette funktioniert und wo sie versagte
Der Luftwaffen-Sprecher erläuterte den Mechanismus der Datenübertragung: Raketen starten aus den Grenzgebieten Russlands, das Startsignal geht zunächst von Partnern an den Gefechtsstand und von dort aus an die Kanäle zur Bevölkerungswarnung. „Weiterhin läuft alles schnell ab, aber selbst 10–20 Sekunden sind in einer solchen Situation sehr viel“, betonte Ihnat. Seinen Angaben nach geht es um wenige Minuten, in denen die Menschen es schaffen müssen, Schutzräume aufzusuchen. Wegen der Zeitknappheit kann selbst der reguläre Alarmierungsalgorithmus, insbesondere das Auslösen von Sirenen, verspätet einsetzen — erst nach dem Einschlag der Munition. Genau das sei, so Ihnat, in der Nacht zum 19. Oktober beim ersten Angriff zu beobachten gewesen.
Eigene Quellen und automatisierte Dienste
Ihnat wies darauf hin, dass die Luftstreitkräfte auch über eigene Quellen verfügen, die über Starts informieren, und das Radarfeld im Rahmen des Möglichen überwacht wird. Vor der ballistischen Bedrohung in jener Nacht wurde über die offiziellen Telegram-, Viber- und WhatsApp-Kanäle der Luftstreitkräfte gewarnt, jedoch tauchte die Rakete bereits eine Minute nach der Alarmierung am Himmel auf. Um die Reaktion auf ballistische Bedrohungen zu beschleunigen, wird die App „Luftalarm“ überarbeitet, in der nun Luftziele angezeigt werden, zudem werden automatisierte Push-Benachrichtigungen auf Mobiltelefonen eingeführt. Ihnat fügte hinzu, dass der Feind bei einem ballistischen Angriff, etwa um 23:00 oder 00:00 Uhr, auch einen erneuten Start durchführen könnte, weshalb „man sehr wachsam sein muss“.
Ausmaß des nächtlichen Angriffs und Folgen
Der nächtliche Angriff am 19. Oktober war einer der massivsten in jüng Zeit: Russland setzte ballistische Raketen, Marschflugkörper und 269 unbemannte Luftfahrzeuge ein. Stand 09:00 Uhr hatten die Flugabwehrsysteme 247 Ziele abgeschossen oder abgefangen, wobei Einschläge an 25 Orten verzeichnet wurden. In Irpin in der Region Kiew werden drei Personen vermisst. Experten untersuchen gemeinsam mit Partnern die Gründe, warum die Warnung vor dem ersten Start nicht rechtzeitig eingegangen war, da dies, so Ihnat, „nicht der erste derartige Fall“ sei.
Wie es weitergeht: Untersuchung und Systemverbesserungen
Der zweite ballistische Angriff um 03:00 Uhr wurde über den regulären Kanal angekündigt: Informationen der Partner trafen ein, und der Alarm funktionierte ordnungsgemäß. Dennoch war der Vorfall mit dem ersten Start Anlass für eine gemeinsame Analyse mit den Verbündeten. Ihnat nannte keine konkreten technischen Gründe für die Fehlfunktion, beschränkte sich auf die Formulierung „aus bestimmten Gründen“ und betonte, dass die Angelegenheit unter Kontrolle sei. Parallel dazu läuft die Modernisierung der automatisierten Alarmierungsdienste, die darauf abzielen, die Zeit zwischen der Erkennung eines Starts und der Information der Bürger auf ein Minimum zu reduzieren.