Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko kommentierte in einem Interview mit dem Fernsehsender „Al Arabiya' seine jüngsten scharfen Äußerungen gegenüber dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Der belarussische Staatschef gab zu, dass er möglicherweise „das Maß überstiegen' habe, und entschuldigte sich formell für seine Worte, fügte jedoch sofort hinzu, dass seine Reaktion erzwungen gewesen sei.

Reaktion auf Drohungen

Laut Lukaschenko war seine harte Rhetorik eine Antwort auf direkte Drohungen aus Kiew. Der belarussische Führer erinnerte daran, dass er zuvor geschwiegen hatte, trotz der Überraschung seiner Umgebung, da er verstand, dass Selenskyj unter enormem Druck stand. Die Situation änderte sich jedoch, als der ukrainische Präsident von Plänen sprach, 500 Ziele auf belarussischem Territorium zu bombardieren.

„Ich verstand: Der Mensch steht unter solchem Druck, er ist jung, unerfahren, kein Militärangehöriger. Aber als man mir drohte – war ich gezwungen, zu antworten', erklärte Lukaschenko.

Konditionale Entschuldigung

Lukaschenko gab zu, dass seine Worte angesichts des Kriegszustands von Selenskyj möglicherweise zu emotional waren. „Wenn Wolodymyr Alexandrowitsch sich beleidigt fühlt – ich entschuldige mich bei ihm für diese Worte. Vielleicht hätte ich sie nicht sagen sollen', erklärte er. Gleichzeitig fügte der belarussische Führer sofort ein Volksweisheit hinzu: „Wie man singt, so wird man beerdigt'.

Die Hauptbotschaft von Lukaschenko bestand darin, dass Selenskyj sich „beruhigen' sollte und akzeptieren muss, dass Minsk keine Pläne hat, militärische Aktionen zu entfesseln. Der belarussische Präsident forderte auf, ihn und das belarussische Volk nicht zu provozieren, und stellte fest, dass beide Seiten Frieden wollen.

Kontext des Konflikts

Die Spannung im Dialog der Führer beider Länder entstand vor dem Hintergrund gegenseitiger Vorwürfe. Zuvor hatte der Kommandeur der Drohnenstreitkräfte der ukrainischen Streitkräfte Robert „Madyar' Browdi Lukaschenko scharf geantwortet und bestätigt, dass die ukrainischen Streitkräfte bereits die ersten 500 Ziele auf belarussischem Territorium identifiziert haben. Als Antwort drohte der belarussische Führer mit einem Schlag gegen ein „sehr ernstes' Ziel in der Ukraine.

Lukaschenko erinnerte auch daran, dass er Selenskyj bereits 2022 Wege zum Frieden angeboten hatte. „Wenn er mich damals gehört hätte – gäbe es heute keine Gespräche darüber, wo man aufhören soll', fasste er zusammen.

Mittlerweile hat Wolodymyr Selenskyj fünf Szenarien Russlands zur Ausweitung des Krieges im Norden vorgestellt, darunter die Einbeziehung Belarus'. Analysten des Instituts für Kriegsstudien (ISW) sehen derzeit keine Anzeichen einer Landinvasion vom belarussischen Territorium aus, weisen jedoch auf die Möglichkeit hin, dass Russland Belarus für Angriffe auf die westlichen Gebiete der Ukraine nutzen könnte.