Der Immobilienmarkt der Ukraine hat eine radikale Transformation durchlebt. War Kiew früher der unangefochtene Spitzenreiter bei den Wohnkosten, so hält Lwiw heute die Führung sicher. Der Preis pro Quadratmeter in Neubauprojekten der westukrainischen Hauptstadt erreichte 1490 US-Dollar und ließ die Kiewer Oblast hinter sich.
Das Paradoxon von Sicherheit und Preis
Die wirtschaftliche Logik unter Kriegsbedingungen funktioniert anders. Während in den Grenzregionen der Preis pro Quadratmeter sinkt, verzeichnet man in relativ sicheren Zonen ein beständiges Wachstum. Die überraschendste Entdeckung des Jahres war Chmelnyzkyj, wo die Preise um 16% anstiegen – das höchste Wachstumstempo unter allen Regionen.
Kiew behält trotz eines jährlichen Preisanstiegs von null den Status des Hauptakteurs in Bezug auf das Angebot. In der Hauptstadt werden derzeit Wohnungen in 188 Wohnkomplexen aktiv verkauft, was 11% mehr ist als im Vorjahr. Lwiw folgt dicht mit 154 Komplexen (+15%) und zeigt, dass die Nachfrage hier nicht nachlässt.
Wo gebaut wird und wo die Kräne schweigen
Die Baudynamik im Land ist extrem ungleichmäßig. Ein leuchtendes Beispiel für Aktivität ist Schytomyr: Die Anzahl der Neubauprojekte stieg dort um 35% auf 23 Objekte. Dies zeigt, dass die Entwickler Perspektiven in den zentralen Regionen sehen.
Es gibt jedoch auch alarmierende Signale. In Ternopil sank das Angebot um 29% (es blieben 48 Wohnkomplexe), und in Sumy um ein Viertel, wo nur noch 6 Komplexe zum Verkauf stehen. Dies ist ein direkter Hinweis auf die Verlangsamung des neuen Baus in diesen Standorten.
Altbau und Währung
Die Situation auf dem Sekundärmarkt ist noch dramatischer. In den westlichen und zentralen Regionen steigen die Preise für „Altbau“ schneller als für Neubauten. In Ternopil sprang die Wohnkosten innerhalb eines Jahres um ein Drittel an. In Lwiw verteuerten sich Einzimmerwohnungen im Dollar-Äquivalent um 9% und geräumige Dreizimmerwohnungen um 14%. Experten verbinden diesen Boom mit der hohen Nachfrage nach sicherem Wohnraum und Migrationsströmen.