Das besetzte Krim erleidet einen beispiellosen Bevölkerungsrückgang. Wie Analysten des Instituts für Kriegsstudien (ISW) feststellen, verlassen nicht nur russische Touristen, sondern auch ständige Einwohner sowie Militärangehörige und Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten die Halbinsel in großer Zahl. Ursache für diese Fluchtbewegung sind großangelegte Angriffe ukrainischer Streitkräfte, die Schlüsselobjekte der Infrastruktur getroffen haben.

Demografische Krise und Folgen der Angriffe

Laut einem Bericht des ISW könnte der Bevölkerungsrückgang in der Krim zu schwerwiegenden demografischen Folgen führen. Kurzfristig ist dies bereits spürbar, und langfristig könnte sich die Situation verschärfen, falls die ukrainische Offensive anhält. Experten führen dies darauf zurück, dass verstärkte Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur und Logistik, die im März 2026 begannen, die Einnahmen Russlands aus dem Kohlenwasserstoffexport erheblich untergraben haben.

Dies führte zu einer Verschärfung des Treibstoffmangels sowohl auf den vorübergehend besetzten Gebieten der Ukraine als auch in vielen Regionen Russlands. Analysten prognostizieren, dass die Intensivierung der Angriffe angesichts der steigenden Nachfrage die Situation weiter verschärfen wird, was die russische Regierung nicht länger ignorieren kann.

Notstand und Reaktion der Besatzungsmacht

In der Nacht zum 25. Juni führten die Drohnensysteme der Ukraine eine großangelegte Operation durch. Drohnen trafen fast 40 militärische und logistische Objekte, darunter das Taurische Wärmekraftwerk, große Umspannwerke, Radaranlagen und eine Ölbasis in Dschanojk.

Als Reaktion darauf verkündeten die Besatzungsbehörden am 26. Juni die Einführung eines regionalen Notstandszustands auf dem gesamten Territorium der Krim und Sewastopols. Die Entscheidung trat um 13:00 Uhr in Kraft. Der sogenannte Krim-Gouverneur Sergei Aksjonow erklärte, die Maßnahmen dienten der „Ordnung wirtschaftlicher Fragen“.

Wirtschaftliche Manöver des Kremls

Angesichts der Energiekrise und des Treibstoffmangels unterzeichnete Wladimir Putin am 26. Juni einen Erlass zur Verlängerung des Verbots des Exports von Rohöl und Erdölprodukten zu Preisen, die den Höchstpreisen der G7 und der EU entsprechen. Das Verbot wurde bis zum 31. Dezember 2027 verlängert. Ursprünglich wurde diese Beschränkung im Dezember 2022 eingeführt.

Analysten sind der Ansicht, dass Putins Entscheidung, das Verbot trotz anhaltender wirtschaftlicher Schwierigkeiten und Preisschwankungen im Inland zu verlängern, ein Signal dafür ist, dass Russland nicht beabsichtigt, die westlichen Sanktionen einzuhalten.

Kiews Strategie

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor erklärt, dass die Operation gegen die Krim sorgfältig geplant war. Der Staatsoberhaupt betonte, dass Kiew unter der Bedingung, dass die G7-Partner die notwendigen Mittel bereitstellen, schnell Bedingungen schaffen werde, unter denen Russland gezwungen sein wird, Frieden zu schließen. Nach seinen Worten zielen die aktuellen Maßnahmen darauf ab, den Aufenthalt der Besatzer auf der Halbinsel unmöglich zu machen.