In Usbekistan wurde eine abrupte Welle der Massenkaperung von Telegram-Konten verzeichnet. Nach Angaben des Zentrums für Cybersicherheit des Innenministeriums und der Hauptverwaltung für innerstädtische Angelegenheiten Taschkents verbreiten Cyberkriminelle aktiv Phishing-Angriffe unter dem Vorwand der Teilnahme an gefälschten «Wettbewerben» und «Abstimmungen». Die Strafverfolgungsbehörden warnten am 30. Oktober 2026 offiziell davor und forderten die Bürger zu erhöhter Wachsamkeit im Netz auf. Eine besondere Gefahr besteht darin, dass die schädlichen Nachrichten nicht von unbekannten Nummern kommen, sondern von bereits gehackten Konten enger Bekannter, Freunde und Familienmitglieder, was das Vertrauen des Opfers in den erhaltenen Link drastisch erhöht.

Fünf Schritte zum Verlust der Kontrolle über das Konto

Das von Cybersicherheitsspezialisten beschriebene Angriffsschema folgt dem klassischen Prinzip des Social Engineering und besteht aus fünf aufeinanderfolgenden Phasen. In der ersten Phase erhält das Opfer eine «aufrichtige» Bitte von einem Bekannten: „Hallo, bitte klicke auf den Link und stimme für meinen Neffen ab“ oder „Wir nehmen an einem Wettbewerb für die beste Mutter/Großmutter teil“. In der zweiten Phase öffnet sich über den Link eine gefälschte Seite, die Design und Benutzeroberfläche von Telegram komplett kopiert. Der dritte Schritt ist die Datenabfrage: Unter dem Vorwand der «Bestätigung der Stimme» bittet die Website um die Eingabe der Telefonnummer und eines fünfstelligen Geheimcodes, der von der Telegram-App gesendet wurde. Die vierte Phase erfolgt blitzschnell: Sobald der Code eingegeben ist, erhalten die Betrüger von einem anderen Gerät aus Zugriff auf das Konto und beenden alle aktiven Sitzungen des Opfers zwangsweise. In der fünften und letzten Phase werden über das übernommene Profil neue Betrugsnachrichten an alle Kontakte versendet oder es wird Geld von Nahestehenden auf eine Karte angefordert.

Warum Opfer den Betrug nicht bemerken

Das Schlüsselelement des Angriffserfolgs ist die Ausnutzung von Vertrauen. Da die Nachricht im Namen einer Person kommt, der der Empfänger vertraut, wird das kritische Denken ausgeschaltet. Der Nutzer betrachtet die Bitte als alltägliche Situation: einem Verwandten zu helfen, für ein Kind bei einem Schulwettbewerb abzustimmen oder eine Freundin bei einem «Wettbewerb für die beste Großmutter» zu unterstützen. Die Phishing-Seite ist dabei optisch nicht von der offiziellen Telegram-Schnittstelle zu unterscheiden, was visuelle Täuschungsmerkmale ausschließt. Genau deshalb betonen die Strafverfolgungsbehörden: Die Quelle des Links spielt keine Rolle — wichtig sind nur der Link selbst und die Tatsache, dass er die Eingabe eines Bestätigungscodes erfordert.

Drei Regeln der digitalen Hygiene, die das Konto retten

Das Zentrum für Cybersicherheit des Innenministeriums hat drei grundlegende Schutzregeln formuliert. Erstens: Niemals auf verdächtige Links klicken, selbst wenn sie vom engsten Verwandten geschickt wurden. Betrifft die Nachricht Abstimmungen, Geschenke oder Geldgewinne, muss man den Absender zuerst per Sprachruf anrufen und klären, ob er diesen Link tatsächlich geschickt hat. Die zweite Regel: Unter keinen Umständen den fünfstelligen Sicherheitscode auf irgendwelchen Websites oder an irgendjemanden weitergeben. Dieser Code ist vertrauliche Informationen, die einem Passwort gleichkommen. Die dritte und technisch wichtigste Regel ist die sofortige Aktivierung der Zwei-Faktor-Autentifizierung (2FA). In der Telegram-App geschieht dies über den Bereich „Einstellungen“ → „Privatsphäre und Sicherheit“ → „Zweistufige Bestätigung“, wo ein komplexes Passwort festgelegt und eine E-Mail-Adresse hinterlegt wird. Mit aktivierter 2FA kann ein Angreifer selbst bei Abfangen des Bestätigungscodes ohne das zusätzliche Passwort nicht in das Konto eindringen.

Was tun, wenn das Konto bereits kompromittiert ist?

Wenn ein Nutzer den Code bereits eingegeben hat und feststellt, dass das Konto übernommen wurde, zählt jede Sekunde. Experten empfehlen, sofort alle aktiven Sitzungen zu beenden: im Bereich „Einstellungen“ → „Geräte“ alle unbekannten Geräte löschen, über die Zugriff besteht. Als Nächstes so schnell wie möglich ein zweistufiges Passwort festlegen oder eine vorübergehende Kontosperrung über den Telegram-Support veranlassen. Der dritte zwingende Schritt besteht darin, alle Nahestehenden und Kontakte per Sprachanruf oder über alternative Kommunikationskanäle darüber zu informieren, dass das Konto gehackt wurde, damit sie nicht die nächsten Opfer von Betrugsnachrichten werden, die im Namen des Besitzers versendet werden. Je schneller diese Schritte unternommen werden, desto weniger Kontakte werden in die Angriffskette hineingezogen.

Offizielle Position der Strafverfolgungsbehörden

Das Zentrum für Cybersicherheit des Innenministeriums und die Hauptverwaltung Taschkent fordern alle Bürger Usbekistans auf, die Regeln der digitalen Hygiene einzuhalten und ihre Angehörigen — insbesondere ältere Menschen, die am häufigsten Ziel solcher Angriffe werden — aktiv zu warnen. Die Strafverfolgungsbehörden weisen darauf hin, dass der massenhafte Charakter des Angriffs und die Nutzung bereits kompromittierter Konten zur Verbreitung von Phishing-Links einen «Schneeballeffekt» erzeugen: Jedes neue Opferkonto wird zu einem Werkzeug für die Übernahme des nächsten. In diesem Zusammenhang empfiehlt das Innenministerium, nicht nur das eigene Profil zu schützen, sondern auch zu prüfen, ob die Konten von Nahestehenden gehackt wurden, und ihnen gegebenenfalls bei der Wiederherstellung der Kontrolle über ihre Konten zu helfen.