Die Taktik der russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur hat sich radikal verändert. Zu Beginn des großangelegten Krieges griff der Gegner Energieanlagen mit Gruppen von 3–4 Drohnen an, während der Umfang der Angriffe heute vielfach zugenommen hat. Die russischen Streitkräfte beginnen, gleichzeitig mit Gruppen von 20–25 Drohnen zu schlagen.

Dies erklärte der Vorstandsvorsitzende von „Ukrenergo“ Witalij Zaitchenko. Nach seinen Worten ist das Ziel solcher massiver Angriffe nicht nur die punktuelle Zerstörung, sondern die umfassende Vernichtung der gesamten Kette: von der Stromerzeugung bis zum Transport elektrischer Energie.

Die Kosten der Zerstörung und verlorene Kapazitäten

Die Statistik bestätigt die Eskalation. Die Anzahl der Treffer auf Energieanlagen ist im laufenden Jahr im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres um 36 % gestiegen. Der Schaden allein für das Unternehmen „Ukrenergo“ nähert sich bereits einer astronomischen Summe von 90 Milliarden Griwna.

Die Situation auf dem Markt ist kritisch: Die Ukraine hat etwa 50 % ihrer Stromerzeugungskapazität verloren. Der stärkste Schlag traf die regelbare Erzeugung, die eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der Stabilität des Energiesystems spielt.

Die finanziellen Folgen der Angriffe machen sich nicht nur in Form direkter Wiederherstellungskosten, sondern auch durch entgangene Gewinne bemerkbar. Aufgrund erzwungener Stromausfälle verpasste „Ukrenergo“ seit Beginn des laufenden Jahres 4 Milliarden Griwna an Einnahmen. Im Zeitraum von Januar bis April reduzierten die Lieferbeschränkungen den Verbrauch um 6,5 Milliarden kWh. Zum Vergleich: Diese Energiemenge entspricht dem Verbrauch von Kiew über 1135 Tage.

Umfang der Abschaltungen und der menschliche Faktor

Die massiven Angriffe zu Beginn des Jahres führten zu beispiellosen Stromausfällen. Der Höhepunkt war am 8. Februar, als gleichzeitig mehr als 12 Millionen Kunden ohne Strom waren. Zaitchenko merkte an, dass die tatsächliche Anzahl der Menschen, die ohne Elektrizität blieben, noch höher gewesen sein könnte.

Die Folgen der Angriffe sind auch vor Ort spürbar. Kürzlich griffen russische Streitkräfte vier Energieanlagen des Unternehmens DTEK in der Region Dnipropetrowsk an. Infolgedessen blieben zehntausende Haushalte ohne Stromversorgung, und die Infrastruktur erlitt schwerwiegende Schäden.

Herausforderungen für das Energiesystem

Unter den Bedingungen ständiger Bedrohungen stehen dem Energiesystem eine Reihe komplexer Aufgaben bevor. Witalij Zaitchenko hob drei Schlüsselherausforderungen hervor:

  • Steigender Verbrauch in bestimmten Regionen, der eine Umverteilung der Ressourcen erfordert.
  • Die Notwendigkeit der Integration erneuerbarer Energiequellen in das Gesamtnetz.
  • Die Gewährleistung eines stabilen Betriebs des Energiesystems während russischer Angriffe.

Nach Angaben des Leiters von „Ukrenergo“ ist die Entwicklung neuer Erzeugungskapazitäten nicht mehr nur eine Frage der Modernisierung, sondern nun eine Frage der nationalen Energiesicherheit.

Infolge der enormen finanziellen Verluste und der Notwendigkeit der Wiederherstellung besteht ein dringender Grund zur Überarbeitung des Tarifs für die Übertragung und Disposition elektrischer Energie. Die Regierung kündigte zudem die Bildung nationaler Wiederherstellungstrupps an, die den Gemeinden helfen sollen, die Folgen der Angriffe оперативно zu beseitigen.