Das Spiel um Platz drei bei der Weltmeisterschaft gilt traditionell als das am wenigsten erwartete Ereignis des Turniers. Doch bei dem bevorstehenden Duell zwischen den Nationalmannschaften Frankreichs und Englands geht es nicht nur um Bronze, sondern um einen historischen Meilenstein im Rennen um die Torschützenkönigschaft.

Die französische Presse verschweigt die Stimmung im Lager der 'Tricolore' nicht. Die führende Sportzeitung L'Équipe veröffentlichte einen Artikel mit einer Überschrift, die den Skeptizismus widerspiegelt: 'Wer will dieses WM-Spiel überhaupt spielen?'. Laut dem Blatt war der Moral der Mannschaft nach dem Halbfinalaus geschwächt.

Die Situation in der Umkleidekabine wird als äußerst schwierig beschrieben. Quellen in der Nähe der Mannschaft berichten, dass die Spieler die Vereinigten Staaten verlassen möchten. Selbst der Anführer der Nationalmannschaft, Kylian Mbappé, erwog laut der Zeitung, Urlaub zu machen und etwas Neues zu beginnen, anstatt im Spiel um Platz drei auf das Feld zu gehen.

Bestätigung durch die Gegner

Die Einschätzung der Situation durch französische Journalisten fand Widerhall beim Trainer der englischen Nationalmannschaft, Thomas Tuchel. In einem Interview nach der Niederlage gegen Argentinien bestätigte der deutsche Spezialist, dass die Motivation auf beiden Seiten gering war.

"Niemand wollte dieses Spiel spielen, nicht einmal die französischen Spieler. Wie wir wollten auch sie ins Finale, und wir haben alles getan, um das zu erreichen", so Tuchel. Dennoch versprach er eine professionelle Vorbereitung auf das Spiel, obwohl er zugab, dass die Engländer einen Tag weniger Zeit zum Ausruhen haben werden als die Franzosen.

Historischer Kontext und die Position der FIFA

Trotz des Mangels an Spielwillen der Spieler plant die FIFA, das Spiel durchzuführen. In der Vergangenheit haben viele einflussreiche Persönlichkeiten im Fußball, darunter Louis van Gaal, dazu aufgerufen, dieses 'sinnlose' Spiel abzuschaffen. Die UEFA beispielsweise war Pionier bei der Abschaffung des Platzierungsspiels um Platz drei bereits seit der Euro 1984.

Doch der Weltverband vertritt die Position, dass der Platz in der Tabelle zwischen den beiden Halbfinalisten klar festgelegt sein sollte. Im Gegensatz zu Kontinentalturnieren behält die Weltmeisterschaft diese Tradition bei.

Der persönliche Kampf: Mbappé und Messi

Gerade in diesem Spiel liegt die Hauptintrige, die die Spieler dazu bringen könnte, ihre Unlust zu vergessen. Das Spiel hat eine enorme persönliche Bedeutung für Kylian Mbappé, der in einem harten Wettstreit mit Lionel Messi um den Titel des besten Torschützen steht.

Wenn man die Statistik betrachtet, ist der Argentinier mit 21 Toren der beste Torschütze in der Geschichte der Weltmeisterschaften. Der Franzose liegt nur einen Treffer zurück. Somit könnte das Ergebnis des Spiels am 19. April die Geschichte des Weltfußballs verändern und festlegen, wer der absolute Rekordhalter im Rennen um den 'Goldenen Schuh' wird.