In Amsterdam ist eine Geschichte zu Ende gegangen, die für immer ein Geheimnis geblieben sein könnte. Ein Gemälde, das dem berühmten niederländischen Kunsthändler jüdischer Herkunft Jacques Goudstikker gehörte, wurde Jahrzehnte später unter Straßenmüll gefunden. Nun wird das Kunstwerk, das vermutlich vom Meister der „Goldenen Ära“ Hendrick van der Burgh stammt, an die Erben des Besitzers zurückgegeben.
Fund am Straßenrand
Alles begann mit einem Zufall. Der Amsterdamer Bewohner Robert van der Guk fuhr an einer Straße entlang und bemerkte unter den weggeworfenen Dingen eine Leinwand. Sie lag in einem Müllhaufen, doch der Mann beschloss, sie mitzunehmen, ohne zu ahnen, dass er in seinen Händen einen Teil der Geschichte hielt, die die Kunstwelt erschüttert hatte.
Anlass für die Kontaktaufnahme mit der Presse war ein Artikel der Zeitung De Telegraaf über ein anderes Gemälde aus der Goudstikker-Sammlung – „Porträt eines jungen Mädchens“ von Toon Kelder. Dieses Meisterwerk war zuvor im Haus der Nachkommen des SS-Kommandanten Hendrik Seyffardt entdeckt worden. Nach dem Lesen der Nachricht联系了 van der Guk die Redaktion, schickte Fotos seines Fundes und der Etiketten auf der Rückseite.
Spurensuche im schwarzen Buch
Auf der Rückseite der Leinwand stand die Aufschrift „Collectie Goudstikker“ (Sammlung Goudstikker) und die Inventarnummer 1647. Die Redaktion wandte sich an den bekannten Kunst-Detektiv Arthur Brand und den Kriminaljournalisten John van den Gevel, um die Echtheit zu überprüfen.
Brand führte eine sorgfältige Untersuchung durch und verglich den Fund mit den Einträgen im berühmten „schwarzen Lederbuch“ des Kunsthändlers. In diesem Dokument, das Goudstikker persönlich führte, waren über tausend Gemälde verzeichnet. Die Beschreibung des Gemäldes mit der Darstellung des Innenraums der Neuen Kirche (Nieuwe Kerk) in Amsterdam stimmte vollständig mit dem Eintrag im Buch überein. Experten stellten fest, dass die Leinwand etwa im Jahr 1925 erworben worden war.
Die Tragödie der Sammlung
Die Geschichte dieses Gemäldes ist untrennbar mit der Tragödie des Zweiten Weltkriegs verbunden. Im Jahr 1940, nach dem Einmarsch des nationalsozialistischen Deutschlands in die Niederlande, musste Jacques Goudstikker das Land verlassen und seine unschätzbare Sammlung, die aus etwa 1400 Werken alter Meister bestand, zurücklassen.
Die deutschen Besatzer plünderten die Sammlung schnell. Ein Teil der Gemälde gelangte in die private Sammlung des Reichsführers SS Hermann Göring. Nach dem Krieg konnten die Alliierten mehr als 200 Gemälde aus der Goudstikker-Sammlung finden und zurückgeben und sie der niederländischen Regierung übergeben. Der vollständige Restitutionsprozess dauerte jedoch Jahrzehnte: Erst 2006 wurden 202 Werke an die Erben des Kunsthändlers zurückgegeben.
Der heutige Fund von Robert van der Guk ist ein weiterer Schritt zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit und zur Rückführung des verlorenen kulturellen Erbes in rechtmäßige Hände.