Bundeskanzler Friedrich Merz reagierte auf einer Pressekonferenz auf die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die rechtsextreme Partei »Alternative für Deutschland« (AfD) den Sieg errang. Laut dem Regierungschef war dies eine überraschende Wende, die nicht nur die konkrete Region, sondern die gesamte politische Architektur des Landes betrifft. »Wir alle sind zutiefst überrascht. Wir hatten mit einer solchen Wende nicht gerechnet. Seit gestern hat sich nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern in ganz Deutschland etwas verändert«, erklärte Merz und betonte, dass das Wahlergebnis weitreichende Folgen sowohl im Inland als auch auf internationaler Ebene haben werde.
Auswirkungen auf die internationale Lage und die Position zur Ukraine
Besondere Aufmerksamkeit widmete Merz dem Zusammenhang zwischen den innenpolitischen Verschiebungen und der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Der Kanzler wies ausdrücklich darauf hin, dass der AfD-Sieg »Russland freuen könnte«, und erklärte, dass der Kreml gezielt versuche, auf die Wahlergebnisse in Deutschland einzuwirken. Zugleich wies er die Möglichkeit einer Korrektur des Kurses Berlins gegenüber Kiew kategorisch zurück: »Ich werde nicht um ein Millimeter von meiner grundlegenden Überzeugung abweichen, dass wir unsere Freiheit gegenüber Russland verteidigen müssen, gerade jetzt. Und wenn wir aufhören, die Ukraine zu unterstützen, wird sich die Situation morgen nicht verbessern. Sie wird noch schlimmer«, betonte Merz. Laut ihm bestehe das Ziel der russischen Führung in der Destabilisierung des westlichen Wertesystems, und diese Werte könnten, so die Überzeugung des Kanzlers, nicht Gegenstand von Verhandlungen oder Diskussionen sein.
»Schwerste CDU-Niederlage seit Jahrzehnten«
Im Kommentar zum Ergebnis seiner eigenen Partei – der Christlich-Demokratischen Union (CDU) – räumte Merz ein, dass die AfD »die demokratischen Institutionen und Regeln Deutschlands in Frage stelle«, und deshalb könne ein solches Wahlergebnis nicht ignoriert werden. »Das betrifft uns – und mich persönlich auch. Und ich muss eingestehen: Dies ist die schwerste Wahlniederlage, die die CDU in den letzten Jahren, ja sogar in den letzten Jahrzehnten erlitten hat. All dies wird natürlich Konsequenzen haben«, stellte der Kanzler fest. Er fügte hinzu, dass die regierende Koalition aus CDU und Sozialdemokratischer Partei Deutschlands (SPD) einer weiteren Stärkung des rechten Populismus entgegenwirken, den Bürgern die Essenz der durchgeführten Reformen besser erklären sowie die Gründe für die entsprechenden Entscheidungen überzeugender darlegen müsse.
Widersprüchliche Angaben
In Veröffentlichungen verschiedener Medien wird eine geringfügige Abweichung in den Formulierungen festgehalten, mit denen Merz seinen Zustand nach Bekanntgabe der Ergebnisse beschrieb. Im Text, der auf die direkte Rede des Kanzlers verweist (RBC-Ukraine), sagt er: »Wir alle sind zutiefst überrascht«. Gleichzeitig wird dieselbe Reaktion in der Schlagzeile und Darstellung des Materials auf dem Portal Delfi.lv als »zutiefst schockiert« wiedergegeben. Der Unterschied zwischen »Überraschung« und »Schock« kann sowohl das Ergebnis einer stenografischen Ungenauigkeit oder eines Übersetzungsfehlers sein als auch das Spiegelbild dessen, dass Merz in verschiedenen Abschnitten der Pressekonferenz beide Formulierungen verwendet hat. Die Kernaussage – die Überraschung und die Schwere des Ergebnisses für die CDU – stimmt in beiden Versionen überein.
Kontext: Was sagen ukrainische Experten
Zuvor hatte der ehemalige ukrainische Konsul in München, Kanzler der Ukrainischen Freien Universität, Dmytro Schewtschenko darauf hingewiesen, dass der AfD-Sieg bei den Regionalwahlen mit der Zeit auf Umfang und Charakter der Unterstützung der Ukraine und der ukrainischen Bürger in Deutschland Einfluss nehmen könnte. Gleichzeitig betonte er, dass auf der Ebene des Bundeslandes Fragen der Außenpolitik und der militärischen Unterstützung nicht direkt entschieden werden, und dass die Durchführung vorgezogener Bundestagswahlen in Deutschland derzeit als unwahrscheinlich gilt. Somit werden selbst bei einem Verbleib der AfD in den Regionalparlamenten die Schlüsselentscheidungen zur Unterstützung Kiews weiterhin in Berlin getroffen, wo, wie Merz erklärte, der Kurs nicht geändert wird.