In der polnischen Stadt Danzig hat die große Konferenz zur Wiederherstellung der Ukraine begonnen. Die zweitägige Veranstaltung vereinte bis zu 5.000 Teilnehmer – von Staatschefs über Vertreter internationaler Finanzinstitutionen bis hin zu führenden Unternehmen. Das Schlüsselereignis des Forums fand jedoch in einer Atmosphäre diplomatischer Spannung statt: Die ukrainische Delegation wurde von Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko angeführt, während Präsident Wladimir Selenskyj auf eine Teilnahme verzichtete.
Historischer Kontext und Parallelen
Der deutsche Kanzler Friedrich Merz, der auf der Konferenz sprach, nutzte die historische Bedeutung des Veranstaltungsortes für eine wichtige politische Botschaft. In seiner Ansprache an den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk erinnerte Merz die Anwesenden daran, dass vor genau 87 Jahren in Danzig der Zweite Weltkrieg begann.
In seiner Rede betonte der deutsche Staatschef den Jahrestag der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags zwischen Deutschland und Polen, der vor 35 Jahren geschlossen wurde. Der Kanzler drückte dem polnischen Volk seine tiefe Dankbarkeit für die Möglichkeit aus, Frieden und Freundschaft zu erreichen, trotz der schwersten Verbrechen, die von deutscher Seite zwischen 1939 und 1945 begangen wurden.
„Die Polen und die Deutschen haben bewiesen, dass Frieden, gute Nachbarschaft und Freundschaft auch nach schrecklichen Verbrechen möglich sind', erklärte Merz und unterstrich, dass diese Erfahrung ein Meilenstein für die bilateralen Beziehungen sei.
Gründe für das Fehlen von Selenskyj
Das Fehlen des ukrainischen Präsidenten auf diesem so bedeutenden Forum war die Folge einer Verschärfung der Beziehungen zwischen Kiew und Warschau. Der Konflikt entbrannte, nachdem Wladimir Selenskyj einer der Einheiten der ukrainischen Streitkräfte den Namen „Helden der UPA' verliehen hatte. Diese Entscheidung löste scharfe Kritik seitens der polnischen Behörden aus, und der polnische Präsident Karol Nawrocki entzog Selenskyj den Orden des Weißen Adlers.
Die polnische Regierung bezeichnete die Entscheidung des ukrainischen Staatschefs, die Konferenz nicht zu besuchen, ihrerseits als richtigen Schritt. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk charakterisierte dies als „Geste zur Deeskalation der Spannungen' und gab zu, dass zwischen den Staatsoberhäuptern in letzter Zeit unnötige emotionale Spannungen entstanden seien.
Schutz der Freiheit als Priorität
Trotz der diplomatischen Verwicklungen definierte Friedrich Merz die Position Europas klar. Der Kanzler betonte, dass die Unterstützung der Ukraine nicht nur von Sicherheitsüberlegungen oder dem wirtschaftlichen Wohlergehen des Kontinents diktiert werde.
„Wir Europäer stehen Schulter an Schulter, um die Freiheit in Europa zu verteidigen. Genau deshalb stehen wir Schulter an Schulter mit der Ukraine', erklärte Merz und verknüpfte die aktuelle Situation mit der Geschichte der Nachkriegsversöhnung und der gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft demokratischer Werte.