Auf den offiziellen Download-Servern von Microsoft wurde die Anwendung Microsoft Recommended Search Settings („Empfohlene Sucheinstellungen von Microsoft“) entdeckt. Ihre einzige praktische Funktion besteht darin, in den auf dem System verfügbaren Browsern Erweiterungen zu installieren, die Bing zur Standard-Suchmaschine machen und sie als Startseite festlegen. Nach Abschluss der Einrichtung öffnet das Dienstprogramm eine Seite mit einem „Belohnungs“-Angebot für den Wechsel der Suchmaschine. Damit setzt der Konzern sein aggressives Marketing der eigenen Suchdienstleistung innerhalb der Windows-Ökosystem fort.
Was ist das Dienstprogramm
Die Anwendung basiert auf einer WinUI-Shell mit einem WebView2-Komponente, und die Größe des Installationspakets beträgt 22,2 MByte. Die Benutzeroberfläche beschränkt sich auf die erste und einzige inhaltliche Seite, auf der dem Benutzer angeboten wird, Bing als Standard-Suchmaschine zu installieren; der entsprechende Schalter ist standardmäßig aktiviert. Gibt der Benutzer sein Einverständnis und ist die Einrichtung abgeschlossen, öffnet das Drücken der Schaltfläche „Fertigstellen“ (Finish) im Edge-Browser die Microsoft-Rewards-Seite. Tatsächlich arbeitet das Dienstprogramm wie ein automatisiertes Skript zur Synchronisierung der Sucheinstellungen, ohne dass die Browserkonfigurationen manuell geändert werden müssen.
Wie der Mechanismus des Suchmaschinenwechsels funktioniert
Die Grundlage der Lösung bildet die Erweiterung Microsoft Bing Homepage & Search, die in Drittanbieter-Browser installiert wird und die Such- und Startseitenparameter auf bing.com ändert. In der Praxis markieren die Browser Chrome und Brave diese Erweiterung als verdächtig: Chrome warnt, dass sie Daten auf allen besuchten Websites lesen und ändern, Benachrichtigungen anzeigen sowie die Such- und Startseitenparameter ändern kann. Dabei hat die Erweiterung eine Bewertung von vier Sternen auf Basis von 110 Bewertungen, und die Zahl der Installationen hat bereits fünf Millionen Nutzer erreicht. Bemerkenswert ist, dass Chrome sofort vorschlägt, Google wieder zur Standard-Suchmaschine zu machen, während unterhalb dieses Fensters ein ähnliches Fenster von Microsoft mit der Aufforderung angezeigt wird, dies nicht zu tun.
Widersprüchliche Daten
Hier liegt ein Widerspruch in der Bewertung derselben Aktion vor. Aus Sicht von Microsoft ist das Dienstprogramm eine bequeme Möglichkeit, die Sucheinstellungen schnell zu synchronisieren und Punkte im Microsoft-Rewards-Treueprogramm zu erhalten; das Unternehmen verlost sogar unter den Bing-Nutzern einen Preispool in Höhe von 1 Mio. USD und betont damit den Wert des Wechsels zu seinem Dienst. Andererseits interpretieren Drittanbieter-Browser und Schutzmodule ein solches Eingreifen in die Systemkonfiguration als aufdringliches Verhalten (Kategorien PUP/PUA), da die Erweiterung weitreichende Rechte zum Lesen und Ändern von Daten auf allen Websites anfordert. Somit werden die „empfohlenen Einstellungen“ für den Microsoft-Entwickler zu einer „verdächtigen Erweiterung“ für den Browser, und beide Seiten interpretieren dieselben Aktionen grundlegend unterschiedlich.
Kontext: Der Kampf um die Standard-Suchmaschine
Die Veröffentlichung einer separaten Anwendung zum Wechsel der Standard-Suchmaschine zeigt erneut, wie schwer es ist, Google von der Position der bequemsten Standard-Suchmaschine zu verdrängen. Die Strategie von Microsoft basiert auf der Kombination „Automatisierung + Treue“: Das Dienstprogramm übernimmt die manuelle Einrichtung vom Benutzer, während das Microsoft-Rewards-Programm und der Preispool von 1 Mio. USD als finanzieller Anreiz dienen, Bing als Standarddienst zu verankern. Für die IT-Community ist dies ein weiteres Beispiel für das aggressive Marketing eigener Microsoft-Dienste über Windows-Systemmechanismen, was traditionell Debatten über die Grenzen zulässiger Eingriffe in die Konfiguration von Drittanbieter-Software auslöst.