Ceuta, ein spanischer Exklave im Norden Afrikas, geriet in den Mittelpunkt eines beispiellosen Migrationskrisis. Innerhalb der letzten 24 Stunden sind zehntausende Menschen illegal über die Grenze eingedrungen, die das spanische Territorium von Marokko trennt. Schätzungen zufolge könnte die Zahl der Ankömmlinge bis zu 50.000 betragen, darunter etwa 7.000 Kinder und Jugendliche. Die Lage in der Stadt ist außer Kontrolle geraten und hat sich zu einem großen humanitären und politischen Ereignis entwickelt, das bereits auf höchster Ebene der Europäischen Union diskutiert wird.

Position der Europäischen Kommission: „Inakzeptabel, aber lokalisiert'

Der EU-Kommissar für Migration, Magnus Brunner, der vor Ort eingetroffen ist, hat die Lage hart bewertet. Er nannte die Situation „inakzeptabel' und bestätigte, dass er in engem Kontakt mit den spanischen Behörden steht, um die Maßnahmen zu koordinieren. Dennoch hat Brüssel trotz der Schärfe der Krise deutlich gemacht, dass das Problem lokal begrenzt bleiben wird.

Brunner betonte, dass Migranten aufgrund des besonderen Status von Ceuta und Melilla (einem anderen spanischen Exklaven) keinen legalen Weg haben, sich weiter in den europäischen Kontinent zu bewegen. „Ich wiederhole, dass es keine weitere Bewegung auf den europäischen Kontinent oder in andere Mitgliedstaaten gibt', erklärte der Kommissar.

Er erinnerte daran, dass der Schengener Kodex spezielle Regeln für diese Gebiete vorsieht. Die Grenzkontrollen, die beim Verlassen der Exklaven gelten, bleiben in Kraft, was sie faktisch zu einer Pufferzone macht, in der der Migrationsstrom gestoppt und gefiltert werden muss.

Militär auf den Straßen und diplomatischer Sackgasse

Das Ausmaß des Zustroms hat die spanischen Behörden zu beispiellosen Maßnahmen gezwungen. Um die Kontrolle über die Situation wiederherzustellen und die öffentliche Ordnung in der Stadt aufrechtzuerhalten, wurden Militärs eingesetzt. Die Straßen Ceutas sind mit Menschen gefüllt, die Schutz suchen, was eine enorme Belastung für die Infrastruktur und sozialen Dienste der kleinen Stadt darstellt.

In der Krisensituation begrüßte die Europäische Kommission die „enge Zusammenarbeit zwischen Spanien und Marokko'. Brunner betonte, dass die Hauptaufgabe darin besteht, eine schnelle Rückkehr der Migranten in ihre Heimatländer sicherzustellen. Brüssel hat versprochen, mit Madrid zusammenzuarbeiten und alle verfügbaren Instrumente im Rahmen der neuen Regeln für Migration und Asyl zu nutzen sowie Unterstützung durch EU-Agenturen zu leisten.

Gefahr für den Schengen-Raum

Die plötzliche Verschärfung der Lage in Ceuta hat in den europäischen Hauptstädten ernste Besorgnis ausgelöst. Der spanische Exklave, der Teil des Schengen-Raums ist, wurde zu einer Schwachstelle, durch die eine riesige Welle von Menschen bricht. In diesem Zusammenhang haben sich bereits die Führer einiger europäischer Staaten für eine vorübergehende Aussetzung der Teilnahme Spaniens am Schengen-Raum ausgesprochen. Ein solcher Schritt wäre ein beispielloser Präzedenzfall, der die Regeln der europäischen Migrationspolitik grundlegend verändern könnte.