Die Legende des Weltboxens Mike Tyson zog die Aufmerksamkeit auf sich nicht durch einen sportlichen Auftritt, sondern durch die Wahl einer Kleidung mit ausgeprägtem nationalen Charakter. Bei einer öffentlichen Veranstaltung erschien der 60-jährige Ex-Weltmeister in einem weißen Hemd mit traditioneller rot-schwarzer Stickerei – einer ukrainischen Vyshyvanka. Der Look wurde sofort zum Gesprächsthema in der Boxgemeinde, umso mehr, da Tyson selbst die Gründe für diese Wahl nicht öffentlich erläuterte.
Ukrainischer Auftritt bei der Stars-Parade
Die Veranstaltung, bei der Tyson in der Vyshyvanka auftrat, fand am 15. August in Brownsville (Brooklyn, New York) statt. Die Stars-Parade des Weltboxens wurde zu Ehren des amerikanischen Boxers Bruce „Shu Shu“ Carrington organisiert. Neben Tyson waren weitere bekannte Vertreter des Boxsports anwesend – Zhablan „Zab“ Judah und Riddick Bowe. Doch gerade der Auftritt des „Iron Mike“ in einem weißen Hemd mit ukrainischem Ornament fiel am meisten auf und löste die größte Resonanz bei Zuschauern und Medien aus.
Besondere Verbindung zur Ukraine
Hinter Tysons Auftritt in der Vyshyvanka steckt kein zufälliger, sondern ein tief persönlicher Kontext. Im Teenageralter wurde der Boxer faktisch von Camilla Ewald aufgezogen – einer ukrainischen Emigrantin, die 1905 im Dorf Staryj Mishschyn auf dem Gebiet der heutigen Oblast Tscherniwzi geboren wurde. In ihrer Kindheit emigrierte sie mit ihrer Familie zunächst nach Kanada und ließ sich später in den USA nieder. Ewald war langjährige Partnerin des legendären Trainers Cass D’Amato, der zum Mentor und Beschützer des jungen Tyson wurde. Als der zukünftige Champion in ihrem Haus in Cassville einquartiert wurde, wurde Camilla ihm praktisch zur zweiten Mutter. Bereits 1988 bezeichnete die Washington Post sie als ukrainische Emigrantin, die als Tysons „Mutter“ bekannt war.
Widersprüchliche Angaben
Es ist wichtig, die Diskrepanz bei der Interpretation des Ereignisses ehrlich zu benennen. Einerseits setzen eine Reihe von Beobachtern und Veröffentlichkeiten die Wahl der Vyshyvanka mit einer bewussten Geste der Unterstützung der Ukraine oder mit einer Widmung an Camilla Ewald in Verbindung, deren ukrainische Wurzeln gut dokumentiert sind. Andererseits hat Tyson selbst öffentlich nicht erklärt, warum er gerade dieses Hemd zur Stars-Parade trug. Daher wäre es verfrüht, seinen Auftritt als direkte Aktion der Ukraine-Unterstützung oder als bewusste Hommage zu bezeichnen: Zwischen der „bedachten Geste“ und dem „einfach gewählten Outfit“ bleibt eine Lücke, die der Boxer selbst bislang nicht geschlossen hat.
Fazit
Wie auch immer: Tysons Auftritt in der ukrainischen Vyshyvanka vor dem schwarzen Hintergrund der Bühne in Brownsville wurde zu einem der meistdiskutierten Momente des Abends. Er erinnerte das Publikum an einen wenig bekannten, aber realen ukrainischen Fußabdruck in der Biografie eines der bekanntesten Boxer der Geschichte und dürfte Tyson selbst dazu veranlassen, in Kürze zu kommentieren, was er genau mit seiner Kleiderwahl bezweckte.