In der Werchowna Rada der Ukraine entbrennt eine Debatte über die Schaffung eines Nationalen Pantheons. Eine Arbeitsgruppe hat bereits einen Entwurf eines Gesetzes vorbereitet, der in Kürze im Parlament registriert werden soll. Die Initiative sieht die Schaffung eines einheitlichen Gedenkortes für die Verehrung von Schlüsselgestalten der ukrainischen Geschichte vor, wobei jedoch die Liste der Namen und die Auswahlkriterien heftige Kontroversen auslösen.
Das portugiesische Modell und die ukrainische Spezifik
Als Grundlage für den neuen Gesetzesentwurf dient das Modell des Nationalen Pantheons in Lissabon. Wie der Vorsitzende des Ausschusses der Werchowna Rada für humanitäre und Informationspolitik, Mykyta Poturaiev, hervorhob, ist dies in Portugal ein Ort der letzten Ruhestätte nicht nur für politische und militärische Führer, sondern auch für kulturelle Symbole der Nation – Dichter, Schriftsteller und Künstler. Gleichzeitig regelt das portugiesische Gesetzgebung streng die zeitlichen Rahmenbedingungen und das erforderliche Maß an öffentlicher Unterstützung, die für die Verleihung des Status eines Nationalhelden notwendig sind.
Im ukrainischen Modell liegt der Schwerpunkt auf denen, die das Staat in verschiedenen Epochen geleitet und geschaffen haben: von der Kiewer Rus und der Hetmanatschaft bis hin zum Saporoger Heer. Zu den unbedingten Kandidaten gehören Persönlichkeiten der Ukrainischen Volksrepublik (UNR) und des Hetmanats von Pawlo Skoropadskyj.
Rechtliche „Sicherungen“ und die Frage Janukowytschs
Einer der wichtigsten Punkte bei der Ausarbeitung des Dokuments war die Einführung eines komplexen Systems rechtlicher Beschränkungen. Ihr Hauptziel besteht darin, eine Möglichkeit der Umbettung pro-russischer Politiker im Pantheon auszuschließen. Mykyta Poturaiev betonte, dass der Name Wiktor Janukowytsch im Dokument zwar nicht explizit genannt wird, aber klare Kriterien festgelegt sind, die solche Figuren automatisch ausschließen.
Gleichzeitig klären die Gesetzgeber, dass es nicht um eine Massenüberführung der sterblichen Überreste von Menschen geht, die bereits eine würdige Grabstätte haben. Orte wie das Grab von Taras Schewtschenko in Kanew oder das Grab von Lesja Ukrainka auf dem Baikow-Friedhof bleiben symbolische Denkmäler ohne physische Verlegung.
Das Dilemma der „20 Jahre“ und Ausnahmen
Um emotionale Bewertungen und politische Spekulationen zu vermeiden, ist im Gesetzesentwurf eine Regel festgelegt: Eine Überführung in den Pantheon ist erst 20 Jahre nach dem Tod der Persönlichkeit möglich. Diese Zeit soll der Gesellschaft gegeben werden, um den Beitrag der Persönlichkeit zur Geschichte nüchtern zu bewerten.
Dennoch erkennt die Arbeitsgruppe die Existenz von Ausnahmen an. Die Diskussionen drehen sich weiterhin um die Figuren des ersten Präsidenten der Ukraine, Leonid Krawtschuk, und des Dissidenten Lewko Lukjanenko. Beide Politiker erfüllen die Kriterien für die Aufnahme in den Pantheon, doch ihr jüngster Tod führt die Frage der Einhaltung des Zeitraums in eine Sackgasse.
Ort der Erinnerung und Sicherheitsfragen
Der Ort für den zukünftigen Nationalen Pantheon ist bereits bestimmt, jedoch sollte die offizielle Ankündigung dazu in Kürze vom Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erfolgen. Gleichzeitig treten einige Angehörige historischer Figuren dafür ein, die sterblichen Überreste erst nach Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu überführen. Ihre Bedenken hängen mit dem Risiko möglicher Angriffe auf Gedenkstätten unter den Bedingungen des anhaltenden Konflikts zusammen.
Der Prozess der Rückführung historischer Persönlichkeiten wurde bereits eingeleitet. Im Mai hat die Ukraine die sterblichen Überreste eines der Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) – des Obersten Andrei Melnyk und seiner Frau Sofia – auf dem Nationalen Militärfriedhof umgebettet. Zudem wurde bekannt, dass die sterblichen Überreste des Gründers der OUN, Jewhen Konowalzew, aus Rotterdam überführt werden sollen; die entsprechende Genehmigung wurde bereits erteilt.