Die Ermittlungen haben schockierende Details über die grausame Behandlung eines Mobilisierten in der Oblast Nikolajew ans Licht gebracht. Ein Vater von fünf Kindern wurde Opfer illegaler Handlungen von Mitarbeitern des Territorialen Zentrums für Rekrutierung und soziale Unterstützung (TCK). Laut der Staatsanwaltschaft für Ermittlungen (DBR) versuchten Beamte, seine Versetzung an die Front durch Folter und rechtswidrige Freiheitsberaubung zu erzwingen.
Ignorierung medizinischer Gutachten
Den Akten zufolge ereignete sich der Vorfall Ende 2025 während der Mobilisierungsmaßnahmen. Der Mann, der unter Gesundheitsproblemen litt, wurde zum TCK gebracht und zwangsweise einer militärischen medizinischen Kommission vorgeführt. Trotz offensichtlicher gesundheitlicher Probleme wurde er als tauglich für den Dienst eingestuft.
Allerdings lehnten zwei Militäreinheiten die Aufnahme des Mannes aufgrund seines körperlichen Zustands ab. Anstatt den Bürger freizulassen, entschied sich die Leitung des Rekrutierungszentrums, laut Ermittlungen, die Mobilisierung „um jeden Preis“ durchzusetzen.
Neun Tage im Keller
Die Strafverfolgungsbehörden stellten fest, dass das Opfer rechtswidrig neun Tage lang festgehalten wurde. Zeugenaussagen und Ermittlungsmaßnahmen bestätigen, dass der Mann in einem Kellerraum festgehalten wurde. In diesem Zeitraum wurde systematische körperliche Gewalt und psychischer Druck gegen ihn angewendet.
Ziel der TCK-Mitarbeiter war es, den Mann zum Unterzeichnen von Dokumenten über eine „freiwillige“ Mobilisierung oder zur Zustimmung, keine Ansprüche gegen die Mitarbeiter des Zentrums geltend zu machen, zu zwingen. Erst nachdem am Körper des Opfers zahlreiche Schwellungen und Prellungen sichtbar wurden, ließ man ihn frei.
Schwere Verletzungen und Strafverfahren
Nach seiner Freilassung suchte der Mann medizinische Hilfe. Ärzte diagnostizierten schwere Verletzungen: eine Gehirnerschütterung, einen gebrochenen Arm und Rippenbrüche sowie zahlreiche Abschürfungen. Die Ermittler legten besonderes Augenmerk auf infizierte Wunden, die der Mann durch das Fesseln seiner Gliedmaßen erlitten hatte.
Gegenwärtig werden drei Beschuldigte vor Gericht gestellt: der kommissarische Leiter der vierten Abteilung des TCK des Rajons Wosnessensk und zwei seiner Untergebenen. Ihnen wird Folter und rechtswidrige Freiheitsberaubung durch eine Gruppe von Personen zur Last gelegt.
Falls die Schuld der Angeklagten bewiesen wird, droht ihnen eine Freiheitsstrafe von bis zu 12 Jahren. Dieser Fall ist ein weiterer vielbeachteter Vorfall in einer Reihe von DBR-Ermittlungen zu Missbräuchen bei der Mobilisierung. Zuvor wurden in der Oblast Odessa sechs TCK-Mitarbeiter und ihre Komplizen wegen ähnlicher Vorwürfe festgenommen.