Die ambitionierte Idee der NASA, eine Ingenieurskopie des berühmten Marsrovers Perseverance in einen Mondrover namens PROMISE umzubauen, stößt auf die harte Realität budgetärer Einschränkungen. Laut einer neuen Analyse der unabhängigen Organisation The Planetary Society könnte die Umsetzung des Projekts eine Summe kosten, die selbst die optimistischsten Missionsplaner dazu veranlassen wird, ihre Prioritäten zu überdenken.
Zahlen, die das Blatt wenden
Die Kostenschätzung für die PROMISE-Mission (Polar Rover for Observation, Mapping and In-Situ Exploration) erwies sich als deutlich höher als die ursprünglichen Erwartungen. Experten berechneten, dass Entwicklung, Start und ein einziges Jahr Betrieb des Geräts auf der Mondoberfläche zwischen 723 Millionen und 1,33 Milliarden US-Dollar kosten werden. Bei dieser Entwicklung ist ein Start der Mission vor Beginn der 2030er Jahre unwahrscheinlich.
NASA-Chef Jared Isaacman reagierte öffentlich skeptisch auf diese Berechnungen. Er erklärte, dass das агентство den Start einfach absagen werde, wenn die endgültigen Kosten des Projekts auch nur 20 % der von The Planetary Society genannten unteren Grenze erreichen. Dies wirft die Lebensfähigkeit der gesamten Initiative in ihrer jetzigen Form in Frage.
Technische Hindernisse und ingenieurtechnische Komplexität
Die Basis des Projekts ist die Nutzung eines Ingenieursmodells des Marsrovers Perseverance, das sich derzeit auf der Erde befindet und zur Erprobung von Szenarien und zur Diagnose verwendet wird. Wie die Autoren der Schätzung jedoch feststellen, ist dieses Gerät kein fertiges Raumschiff. Es fehlt ihm an vielen für den Weltraumbetrieb zertifizierten Systemen, einschließlich spezialisierter Kommunikationseinrichtungen und flugbereiter wissenschaftlicher Instrumente. Darüber hinaus erfordert das Gerät eine tiefgreifende Anpassung an die spezifischen Bedingungen der Mondoberfläche.
Eines der kritischsten Probleme bleibt die Energieversorgung. Der Marsrover Perseverance verwendet einen radioisotopen Thermogenerator (RTG), der mit Plutonium-238 betrieben wird. Die NASA verfügt nur über einen solchen Reservegenerator. Die Verwendung für PROMISE würde nicht nur eine zusätzliche Zertifizierung des Rovers selbst erfordern, sondern auch die Nachrüstung des Landemoduls und der Trägerrakete.
Das Plutonium-Dilemma und die Zukunft der Raumfahrtprogramme
Die Verwendung des einzigen verfügbaren Generators für eine Mondmission birgt erhebliche Risiken für die langfristigen Pläne der Agentur. The Planetary Society warnt davor, dass diese Entscheidung die NASA daran hindern könnte, zukünftige wissenschaftliche Missionen zu den äußeren Planeten durchzuführen, die ebenfalls kritisch von dieser Energiequelle abhängen.
Als Reaktion auf die Kritik begründete NASA-Chef Jared Isaacman die Notwendigkeit der Nutzung der Ausrüstung damit, dass bereits Hunderte Millionen Dollar der Steuerzahler in sie investiert wurden. Nach seinen Worten sei es unvernünftig, teure Technik ungenutzt zu lassen. Außerdem erinnerte Isaacman an die Physik des Prozesses: Plutonium-238 verliert jährlich etwa 2 % seiner Leistung aufgrund des natürlichen radioaktiven Zerfalls. Daher sei es aus Sicht des Agenturleiters nicht zweckmäßig, die Nutzung der Ressource für hypothetische zukünftige Missionen aufzuschieben.
Überarbeitung der strategischen Pläne
Im Kontext der Debatte über den Mondrover überprüft die NASA weiterhin die Pläne des Programms New Frontiers. Die Agentur untersucht separat, wie viele radioisotope Energiequellen für zukünftige interplanetare Expeditionen verfügbar sein werden, und versucht, ein Gleichgewicht zwischen ambitionierten Mondprojekten und der Erforschung des tiefen Weltraums zu finden.