Im September 2026 schloss die NASA an Bord der interstellaren Sonde Voyager 1 eine Operation ab, die innerhalb der Agentur als „Big Bang“ bezeichnet wurde. Das Verfahren bestand darin, drei stromhungrigere Heizungen für Treibstoffleitungen der Korrekturtriebwerke durch drei weniger stromhungrige zu ersetzen, wodurch etwa 10 Watt an elektrischer Leistung freigesetzt wurden. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Routineumstellung, doch das gleichzeitige Nichteinhalten der Schaltreihenfolge von sechs Geräten drohte das thermische Gleichgewicht des Raumfahrzeugs zu stören und es außer Betrieb zu setzen. Die Operation war der letzte Schritt einer Kampagne, die im Juli 2026 mit einer ähnlichen Umstellung bei Voyager 2 begonnen hatte — dem der Erde näheren Zwillingsschiff, an dem Ingenieure den Algorithmus zuerst erprobten.
Warum 10 Watt das Schicksal des Wissenschaftsprogramms entscheiden
Beide Voyager-Sonden werden durch Radioisotopen-Thermogeneratoren (RTG) mit Strom versorgt, die die Wärme aus dem Zerfall von Plutonium-238 in Elektrizität umwandeln. Mit dem natürlichen Zerfall des Brennstoffs sinkt die verfügbare Leistung jährlich um etwa 4 Watt. In fast 50 Flugjahren haben sich die energetischen Möglichkeiten der Raumfahrzeuge erheblich verringert, und Ingenieure müssen nacheinander Heizungen und wissenschaftliche Instrumente abschalten. Ursprünglich war jede Sonde mit zehn wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet: Einige wurden nach Abschluss der Vorbeiflüge an den Riesenplaneten abgeschaltet, zwei weitere Instrumente von Voyager 1 mussten in den letzten Jahren wegen Energiemangels deaktiviert werden. Ohne die Big-Bang-Operation hätte das nächste wissenschaftliche Instrument bereits im Sommer 2027 abgeschaltet werden müssen. Dies wäre äußerst unerwünscht, da Voyager 1 und Voyager 2 die einzigen von Menschen geschaffenen Sonden sind, die das interstellare Medium direkt erforschen, und jedes zusätzliche Betriebsjahr dort für die Wissenschaft von unschätzbarem Wert ist.
Zwei Tage Stille: Signal weg, dann wieder da
Anfangs verlief nach dem Wechsel zu den neuen Heizungen alles nach Plan. Am 18. und 19. Oktober 2026 konnte das Deep Space Network (DSN) der NASA jedoch im Abstand von 24 Stunden zweimal kein Funksignal von Voyager 1 empfangen. Für die Betreiber ist dies eine besonders angespannte Situation: Das Signal benötigt fast einen Tag für den Weg in eine Richtung, und im Falle eines Kommunikationsverlusts steigert das erzwungene Warten keineswegs die Begeisterung. Glücklicherweise tauchte das Signal am 20. Oktober wieder auf, und seither läuft die Kommunikation wieder im Normalbetrieb. Eine vorläufige Untersuchung ergab, dass eine Gruppe von Lageregelungstriebwerken abgeschaltet wurde, woraufhin sich automatisch die Reservertriebwerke einschalteten. Ein derartiges Umschalten ist durch das Fehlerschutzsystem vorgesehen: Bei Erkennung einer Anomalie versetzen Bordcomputer das Raumfahrzeug in einen sicheren Zustand und unterbrechen den Normalbetrieb. Warum sich die Triebwerksgruppe genau abgeschaltet hat, haben die Ingenieure noch nicht ermittelt.
24 Milliarden Kilometer und der Weg zum Lichttag
Voyager 1 hat sich 4 Milliarden km weiter von der Erde entfernt als ihr Zwillingsschiff und befindet sich in einer Entfernung von etwa 24 Milliarden km von unserem Planeten. Genau deshalb wurde das Umschaltverfahren zuerst an der näheren Sonde erprobt und erst danach an der entfernteren umgesetzt. Derzeit bewegt sich die Sonde mit einer Geschwindigkeit von etwa 61.155 km/h und nähert sich einem historischen Meilenstein: Am 18. November 2026 wird ihre Entfernung zur Erde 25,89 Milliarden km betragen — exakt ein Lichttag. Die Agentur beabsichtigt, dieses Ereignis gebührend zu feiern, und die Redaktion von XAB.info wird zu gegebener Zeit ebenfalls darauf zurückkommen.
Was das für die Wissenschaft bedeutet
Der erfolgreiche Abschluss der Big-Bang-Operation bei Voyager 1 bedeutet, dass beide interstellaren Sonden mindestens einen minimalen Satz wissenschaftlicher Instrumente für einige weitere Jahre behalten werden. Die freigesetzten 10 Watt ermöglichen es, die Abschaltung des nächsten Instruments hinauszuzögern und damit die Phase direkter Messungen im interstellaren Medium zu verlängern — einer Region, die die Menschheit derzeit mit keinen anderen Mitteln erforschen kann. Der zweitägige Signalverlust, wenngleich er keine Katastrophe darstellte, ist eine Erinnerung daran, dass in einer Entfernung, in der ein Kommunikationsumlauf fast einen Tag dauert, selbst ein automatischer Standardübergang in den Sicherheitsmodus zu einer mehrtägigen Pause voller Sorgen für das Betriebsteam wird.