In der Türkei wurde offiziell bekannt gegeben, dass das Nordatlantikbündnis auf eine grundlegend neue Entwicklungsstufe übergeht. Der türkische Außenminister Hakan Fidan bezeichnete die in Ankara abgehaltene Gipfeltagung als historisch, sowohl hinsichtlich des Formats der Organisation als auch der erreichten Ergebnisse. Nach seinen Worten gelang es den Verbündeten, trotz globaler Instabilität und strategischer Meinungsverschiedenheiten einen Konsens zu erzielen.
Rückkehr zum Verteidigungskern
Der Leiter des türkischen Außenministeriums betonte, dass der Gipfel die Relevanz der NATO in der heutigen Realität bestätigt habe. Fidan merkte an, dass die Tagung gewissermaßen eine „Wiedereröffnung' der ursprünglichen Rolle des Bündnisses darstelle. Nach seiner Auffassung kehre die Organisation zu ihren Wurzeln zurück: Sie sei keine offensive Struktur, sondern basiere auf Verteidigung, der Wahrung des Friedens und der Stärkung der Stabilität.
Eines der zentralen Ergebnisse der Verhandlungen war die Umwandlung des Prinzips der Verteilung der Verteidigungsausgaben von einem politischen Konzept in eine reale Praxis. Der Minister erinnerte daran, dass die USA die europäischen Partner seit langem aufgefordert haben, einen größeren Anteil der Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen. Diese Position hat nun die Unterstützung des gesamten Bündnisses gefunden.
Das Konzept der NATO 3.0
Hakan Fidan führte den Begriff „NATO 3.0' ein, um das neue Entwicklungsmodell der Organisation zu beschreiben. Diese Phase sieht eine tiefgreifende Anpassung der militärischen Fähigkeiten und der Rüstungsindustrie an moderne Bedrohungen vor. Priorität hat dabei die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Logistik, Waffenproduktion und Lieferketten.
In diesem Zusammenhang gewann das Forum der Rüstungsindustrie, das parallel zum Gipfel stattfand, sowie das in Ankara unterzeichnete politische Rahmenabkommen besondere Bedeutung. Fidan bezeichnete die Vereinigung der Mitgliedsstaaten um gemeinsame Konzepte als historischen Erfolg, insbesondere angesichts der aktuellen geostrategischen Verwirrung und der Divergenz der Ziele.
50 Milliarden Dollar an Aufträgen
Das Ausmaß der Vereinbarungen wird durch konkrete Zahlen bestätigt. Im Rahmen des Gipfels wurden Verteidigungsaufträge zwischen den Verbündeten mit einem Gesamtvolumen von rund 50 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Es geht dabei nicht nur um Projekte mit Beteiligung der Türkei, sondern auch um gemeinsame Initiativen anderer Mitgliedsstaaten, die darauf abzielen, das gemeinsame Verteidigungspotenzial zu stärken.
Der Gipfel, der am 7. und 8. Juli stattfand, war auch die Bühne für wichtige politische Erklärungen. Die Verbündeten einigten sich auf eine Schlussdeklaration, die eine Erhöhung der Militärausgaben vorsieht und die langfristige Unterstützung der Ukraine bestätigt. Zu den zentralen Ereignissen gehörten die Gespräche zwischen den Präsidenten Wladimir Selenskyj und Donald Trump. Der amerikanische Staatschef sprach von einem „neuen Anfang' in den Beziehungen zu Kiew und der Bereitschaft, der Ukraine das Recht zu gewähren, Patriot-Systeme zu produzieren. Trump schloss zudem einen zukünftigen Besuch in der ukrainischen Hauptstadt nicht aus und stellte fest, dass Langstreichschläge das Ende des Konflikts beschleunigen könnten.