Im Interview mit RBK-Ukraine erklärte die Leiterin der Ukraine-Mission bei der NATO, Aljona Hetmantschuk, dass in der Allianz die sogenannte „psychologische Barriere“ gegenüber Russland endgültig abgebaut wurde. Dem zufolge war der Wendepunkt der 10. September 2025, als die NATO erstmals russische Drohnen abschoss, die den Luftraum Polens verletzt hatten. Seitdem, so die Diplomatin, schießen die Länder der Allianz russische UAVs über dem Gebiet Rumäniens und Lettlands systematisch und ohne frühere Zögerungen ab.
Ausbau der „psychologischen Barriere“
Hetmantschuk betonte, dass in der Ukraine zuvor Fragen und sogar Spott darüber aufkamen, womit genau und auf welche Weise die Geräte abgeschossen wurden. „Aber warum auch immer wurde die Tatsache ignoriert, dass überhaupt russische Drohnen abgeschossen wurden. Danach sehen wir, dass die NATO dies ständig begonnen hat“, sagte sie. Somit wurde der Vorfall über Polen, so die Einschätzung der Missionsleiterin, nicht zu einem Einzelfall, sondern zu dem Punkt, nach dem die Praxis der Abfangungen zur Routine wurde.
Neue Logik der Abschreckung
Nach Ansicht der Diplomatin steckt hinter diesen Maßnahmen ein tiefgreifendes Umdenken der gesamten Abschreckungspolitik. „Die NATO überdenkt, was es bedeutet, in den Bedingungen eines modernen Krieges eine Verteidigungsallianz zu sein“, erklärte Hetmantschuk. Sie wies darauf hin, dass die frühere Logik – die Lage einfach zu überwachen und um jeden Preis einer Eskalation auszuweichen – „nicht funktioniert“, wenn man Unentschlossenheit demonstriert. Der nun erarbeitete Algorithmus lautet demnach: Wenn eine Verletzung des Luftraums eine Bedrohung für die Infrastruktur oder die Menschen der Mitgliedstaaten darstellt, muss diese Bedrohung sofort beseitigt werden.
Von isolierten Vorfällen zur systemischen Bedrohung
Hetmantschuk bemerkte auch, dass in der Allianz anerkannt wurde: Solche Fälle sind nicht mehr isoliert. Ihre Zahl wächst, und dies kann, so ihre Einschätzung, nicht auf Zufälle, sondern auf geplante Aktionen Russlands hinweisen, die darauf abzielen, die Reaktion der NATO zu testen. Diese These wird durch Daten zu regelmäßigen Abfangungen gestützt: Laut im Juli 2026 veröffentlichten Informationen gab Rumänien rund 1,5 Millionen Euro für den Abschuss von drei russischen Drohnen aus, was sowohl die Häufigkeit als auch die finanzielle Belastung solcher Operationen illustriert.
Widersprüchliche Daten und Vorbehalte
Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass der zentrale These von der „abgebauten psychologischen Barriere“ die Einschätzung einer offiziellen Persönlichkeit ist und nicht das Ergebnis einer unabhängigen Untersuchung. Das konkrete Datum des ersten Vorfalls (10. September 2025, Polen) wird im Interview selbst genannt, während die verfügbare Menge an Prüfinformationen vor allem den rumänischen Vorfall und dessen Kosten betrifft. Außerdem wird im Text des Interviews selbst erwähnt, dass in der Ukraine die Frage diskutiert wurde, womit genau die Drohnen abgeschossen wurden, was auf Unstimmigkeiten in der öffentlichen Darstellung der Details der ersten Abfangung hinweist.
Verteidigungsförderung und Status der Ukraine
Im selben Interview teilte Hetmantschuk mit, dass „Ramstein“ und das Programm PURL bis Ende 2026 auf die Finanzierung bereits von den USA genehmigter Verteidigungspakete konzentriert werden. Sie erklärte auch, dass die NATO auf Deklarationsebene die Ukraine als Sicherheitsbeitragender anerkannt hat und das Potenzial der ukrainischen Fähigkeiten zur Stärkung der Organisation bewertet hat. Dabei stellt das Programm PURL monatlich ein Basissniveau an PAC-3- und PAC-2-Abfangraketen für die ukrainischen Patriot-Systeme bereit, jedoch ist dieses Volumen, so die Diplomatin, nicht ausreichend.