Angesichts der wachsenden Spannungen in Osteuropa und besorgniserregender Signale aus den baltischen Staaten hat General Aleksus Grinkevich, Oberbefehlshaber der vereinten Streitkräfte der NATO in Europa, eine selbstbewusste Erklärung abgegeben: Russland wird keine direkte Aggression gegen die Allianzstaaten unternehmen. Nach Ansicht des Generals ist Moskau sich klar bewusst, dass jeder militärische Konflikt mit der NATO zu einer unvermeidlichen Niederlage führen würde.
Nachrichtendienstliche Erkenntnisse und fehlende Pläne des Kremls
Grinkevich, der auch das US-Europäische Kommando leitet, betonte, dass die Nachrichtendienste der Allianz rund um die Uhr arbeiten. Durch die persönliche Analyse von Informationsströmen gelangte der General zu dem Schluss, dass der Kreml derzeit keine direkte Konfrontation mit dem Westen sucht. Während einer Podiumsdiskussion auf der Berliner Luftfahrtausstellung ILA erklärte er, dass er alle nachrichtendienstlichen Erkenntnisse genau verfolgt und keine Anzeichen für die Vorbereitung eines großangelegten Einmarsches sieht.
„Russland strebt keinen Konflikt an... Sie verstehen den Begriff ‚Verteidigungsbündnis‘ und verstehen, dass wir eine Reihe asymmetrischer Vorteile haben“, so Grinkevich. Er fügte hinzu, dass Diktator Wladimir Putin den Vorteil der NATO in Bezug auf Ressourcen und militärische Stärke sehr wohl erkennt.
Strategie der unakzeptablen Kosten
Die Hauptaufgabe des Kommandos besteht laut General darin, den Preis eines jeden Angriffs für Russland unakzeptabel zu machen. Grinkevich erläuterte die Logik der Abschreckung: „Die Aufgabe besteht darin, dass Russland versteht: Wenn sie versuchen, etwas in den baltischen Staaten zu unternehmen, wird es ihnen nicht gelingen. Da sie wissen, dass es ihnen nicht gelingen wird, werden sie kein solches Risiko eingehen“.
Der General versicherte, dass die Streitkräfte der NATO in einem hohen Kampfbereitschaftszustand sind und es keine Verzögerungen bei der Reaktion geben wird. Auf die Frage nach der Kampfbereitschaft direkt heute antwortete er eindeutig: „Bedingungslos“.
Besorgnis in Washington und Angst im Baltikum
Die Erklärung Grinkevichs erfolgte vor dem Hintergrund komplexer politischer Prozesse in den USA. Wie die Financial Times berichtet, plant Washington, einen Teil seiner militärischen Kapazitäten in Europa zu reduzieren. Es ist jedoch geplant, ein „spezifisches Kraftmodell“ beizubehalten: Reserven, die in 10, 30 oder 180 Tagen kampfbereit sein können.
Estland, Litauen und Lettland nehmen diese Pläne mit Besorgnis wahr und fürchten Sicherheitslücken. General Grinkevich versucht, die Verbündeten zu beruhigen, indem er behauptet, dass das derzeitige Abschreckungssystem zuverlässig bleibt.
Echte Bedrohungen an den Grenzen
Trotz der Zuversicht des Generals bleibt die reale Lage angespannt. Drohnen, die von russischen Besatzern eingesetzt werden, überschreiten zunehmend die Grenzen der Allianzstaaten. Besondere Besorgnis erregte ein kürzlich in Rumänien aufgetretener Vorfall, bei dem in der Stadt Galați ein Drohne vom Typ „Geran“ auf das Dach eines Wohnhauses stürzte, was zu Opfern unter der Zivilbevölkerung führte.
Als Reaktion auf die Bedrohung hat Lettland bereits aktive Arbeiten zur Stärkung der Grenze zu Russland aufgenommen. Entlang der gesamten Frontlinie werden „Drachenzähne“ und Panzergräben installiert. Die Barrieren werden in drei Reihen mit einer Breite von etwa 10 Metern angebracht, wobei jedes Element eineinhalb Tonnen wiegt.