Im Vorfeld des nächsten NATO-Gipfels, der nächste Woche in Ankara stattfinden soll, reift innerhalb des Bündnisses eine ernste diplomatische Krise. Die Pläne für die nächste Treffen der Staats- und Regierungschefs in Albanien im Jahr 2027 stehen nun infrage. Grund für die Unsicherheit ist die Unzufriedenheit der USA mit dem Niveau der Verteidigungsausgaben des Landes.
Ausschluss Albaniens aus dem Entwurf der Erklärung
Quellen zufolge wurde die Erwähnung der nächsten Veranstaltung in Albanien aus dem Entwurf der Abschlusserklärung für den Gipfel in der Türkei gestrichen, der derzeit ausgearbeitet wird. Zuvor war offiziell bekanntgegeben worden, dass dieses Land den Gipfel ausrichten werde, doch in der letzten Fassung des Dokuments wurde die Formulierung vage gehalten.
Ein europäischer Diplomat bestätigte, dass im Text lediglich davon die Rede ist, dass die Staats- und Regierungschefs der nächsten Sitzung mit Ungeduld entgegensehen, jedoch kein konkreter Zeitpunkt und Ort im Entwurf genannt werden. Dies ist ein Bruch mit der etablierten Praxis, bei der in offiziellen Erklärungen der NATO-Gipfel traditionell direkt der Ort der nächsten Veranstaltung angegeben wurde.
Der Faktor Donald Trump und Druck auf die Verbündeten
Dieser Schritt wurde im Kontext des Bestrebens der europäischen NATO-Mitglieder unternommen, dem US-Präsidenten Donald Trump Fortschritte bei der Erfüllung der Verpflichtungen zu Verteidigungsausgaben zu demonstrieren. Die Führer des Bündnisses wollen offene Konfrontationen mit dem amerikanischen Führer in Ankara vermeiden.
Eine Quelle merkte an, dass die Verteidigungsausgaben Albaniens so beschaffen sind, dass die Abhaltung eines Gipfels in diesem Land im Jahr 2027 bei Trump Ärger hervorrufen könnte. Dies könnte wiederum zu negativen Schlagzeilen in den Medien und zu Spannungen innerhalb des Blocks führen. Im April berichtete Reuters, dass die NATO die Möglichkeit erwägt, auf jährliche Gipfel zu verzichten, was eine potenziell konfliktträchtige Begegnung mit Trump am Ende seiner Amtszeit verhindern könnte.
Verteidigungsetat Albaniens und Reaktion Tiranas
In den letzten Jahren haben viele NATO-Länder ihre Verteidigungsbudgets erhöht, doch einigen Staaten fällt es immer noch schwer, das Basisziel des Bündnisses zu erreichen – nämlich 2 % des BIP für Verteidigung auszugeben. NATO-Generalsekretär Mark Rutte stellte Anfang Juni fest, dass Albanien, Tschechien und Slowenien im vergangenen Jahr diesen Wert nicht erreicht haben, obwohl sie sich verpflichtet haben, ihn im laufenden Jahr zu erfüllen.
Ein Vertreter der albanischen Regierung erklärte gegenüber Reuters: „Entwürfe sind nur Entwürfe und keine Beschlüsse'. Gleichzeitig bestätigte die Regierung Albaniens in einer Mitteilung an das Agentur, dass sie die Entwicklung der erforderlichen fiskalischen Maßnahmen abschließt. Laut dem Dokument werden die Verteidigungs- und damit verbundenen Ausgaben Albaniens für das Jahr 2026 nach der NATO-Methodologie 2,6 % des BIP betragen. Davon entfallen 2,2 % auf die Hauptverteidigungsausgaben und 0,4 % auf andere mit Verteidigung und Sicherheit verbundene Ausgaben.
Vorgeschichte: von Den Haag bis Washington
Bei der Zusammenkunft in Den Haag im Jahr 2025 erklärten die NATO-Führer in ihrer Ansprache, dass sie auf ein Treffen in der Türkei warten, dem ein Treffen in Albanien folgen werde. Genau dort antworteten die Führer auf die Forderung Trumps und versprachen, innerhalb von 10 Jahren 5 % des BIP für Verteidigung und damit verbundene Maßnahmen bereitzustellen.
Zur Erinnerung: In diesem Monat reiste NATO-Generalsekretär Mark Rutte nach Washington, um sich mit US-Präsident Donald Trump zu treffen. Laut Bloomberg zielte der Besuch darauf ab, den Zorn Trumps gegenüber den europäischen Verbündeten zu mildern, die sich geweigert hatten, ihm in seiner Kampagne gegen den Iran zu helfen. Nach dem Treffen erklärte Rutte, dass die NATO nicht nur Europa, sondern auch das Festland der USA schützen müsse und damit die entscheidende Rolle Washingtons auf der Weltbühne sicherstelle.
Trotzdem bleibt die Spannung bestehen. Trump kritisierte wenige Tage später erneut die NATO für unzureichende Hilfe im Ormuz-Sund und bezeichnete Deutschland und Italien als „sehr schlechte Verbündete'. Dennoch äußerte ein europäischer Diplomat die Zuversicht, dass Albanien den Gipfel am Ende doch noch ausrichten könnte: „Sie intensivieren die Themen, wir werden sehen, wohin das führt. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass der nächste Gipfel in Albanien stattfinden wird'.