Am Rande des NATO-Gipfels in Ankara fand das erste persönliche Treffen der Präsidenten von Ukraine und Polen, Wolodymyr Selenskyj und Karol Navrotsky, seit dem Skandal um die Verleihung des Ordens des Weißen Adlers statt. Das einstündige Treffen war ein Versuch, die bilateralen Beziehungen neu zu starten, doch wie der polnische Staatschef zugab, blieben die wichtigsten historischen Streitpunkte ungelöst.

Konstruktives Gespräch vor dem Hintergrund historischer Differenzen

Laut dem polnischen Präsidenten diskutierten die Parteien ein breites Spektrum von Fragen, die den aktuellen Stand der Beziehungen und die Weichen für die weitere Zusammenarbeit betreffen. Obwohl in letzter Zeit eine gewisse Spannung zwischen Warschau und Kiew herrschte, betonte Navrotsky die kritische Bedeutung eines fortwährenden Dialogs. Er bewertete das Ergebnis des Gesprächs positiv, nannte es konstruktiv und stellte fest, dass beide Staatschefs ihre Positionen bekräftigt und die Perspektiven der Zusammenarbeit erörtert haben.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der geopolitischen Realität. Warschau und Kiew bewerten laut Navrotsky die Hauptbedrohung ihrer Unabhängigkeit – Russland – gleich. Diese gemeinsame Sicherheitswahrnehmung bildete die Grundlage für die Bestätigung der Notwendigkeit einer weiteren Partnerschaft, trotz anhaltender Reibungen.

Fragen zur UPA und der Wolhynien-Tragödie: „Kein Verhandlungsgegenstand“

Wie erwartet wurden historische Fragen zum Hauptstreitpunkt. Der polnische Präsident erklärte offen, dass eine Einigung in diesen Fragen während des Treffens nicht erzielt werden konnte. Für Navrotsky bleiben Themen im Zusammenhang mit der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) und der Symbolik von Stepan Bandera prinzipieller Natur.

„Die Gefühle polnischer Frauen und Männer in Bezug auf die Verbrechen, die Wolhynien-Tragödie und den Völkermord sind kein Verhandlungsgegenstand“, erklärte der polnische Staatsführer. Er äußerte die Hoffnung auf Verständnis seitens der Ukraine und begründete seine Position damit, dass die Bandera-Symbolik negative Assoziationen weckt und seiner Meinung nach die europäische Zukunft der Ukraine einschränkt.

Ergebnisse des Treffens: Der Dialog geht weiter

Trotz des fehlenden Durchbruchs in historischen Fragen war das Treffen der Präsidenten ein wichtiges Signal dafür, dass Warschau und Kiew bereit sind, die Kommunikation fortzusetzen. Navrotsky erklärte, dass beide Länder trotz anhaltender Meinungsverschiedenheiten zusammenarbeiten müssen, da sie einer gemeinsamen Bedrohung gegenüberstehen. Somit wurden zwar die historischen Wunden nicht geheilt, doch der politische Dialog wurde in einem Format wieder aufgenommen, das die Erörterung aktueller Sicherheitsherausforderungen ermöglicht.