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title: "NBU hebt Leitzins auf 16,5 % an: Warum reine Geldpolitik für die Ukraine nicht mehr ausreicht"
description: "Die NBU hat den Leitzins am 29. Oktober angesichts steigender Inflation auf 16,5 % angehoben. Einer aktualisierten Prognose zufolge wird die Inflation Ende 2026 12,5 % erreichen und das reale BIP um 0,4 % schrumpfen."
date: 2026-10-30T11:14:47.626Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/nbu-hebt-leitzins-auf-16-5-prozent-an-inflation-12-5
tags: [ukraine, nbu, inflation, policy-rate, hryvnia, economy]
author: "Darja Fomina"
publisher: "XAB.info"
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# NBU hebt Leitzins auf 16,5 % an: Warum reine Geldpolitik für die Ukraine nicht mehr ausreicht

![Verschiedene Euro- und US-Dollar-Banknoten auf einem Tisch als Illustration zum Finanzthema](https://xab.info/media/2026/10/30/nbu-povyshil-uchetnuyu-stavku-do-16-5-inflyatsiya-12-5/nbu-povyshil-uchetnuyu-stavku-do-16-5-inflyatsiya-12-5-1.webp)

## Kernpunkte

- Am 29. Oktober hat die NBU den Leitzins wegen verstärkten Inflationsdrucks und negativer Erwartungen von 16 % auf 16,5 % angehoben.
- Laut aktualisierter NBU-Prognose liegt die Inflation Ende 2026 bei 12,5 %, 2027 bei 7,3 % und kehrt 2028 zum Ziel von 5 % zurück.
- Die Prognose für das reale BIP-Wachstum 2026 wurde von +1,8 % auf −0,4 % gesenkt.
- Die Zinserhöhung nützt Sparern, verteuert aber Unternehmenskredite; reine Geldpolitik reicht nicht aus — nötig sind Fiskalpolitik, Auslandshilfe und Produktionsausbau.

Am 29. Oktober hat die Nationalbank der Ukraine (NBU) den Leitzins von 16 % auf 16,5 % per annum erhöht. Die Entscheidung wurde vor dem Hintergrund eines verstärkten Inflationsdrucks und sich verschlechternder Inflationserwartungen getroffen, erklärt NBU-Vorstandsmitglied Wassyl Furman in einer Kolumne für RBK-Ukrajina. Auf den ersten Blick mag der Schritt paradox erscheinen: Die wirtschaftliche Lage ist geprägt von den Folgen von Angriffen auf Produktion, Energie und Logistik, Unternehmen kämpfen mit Fachkräftemangel und steigenden Kosten, und die Aussichten auf Erholung bleiben ungewiss.

### Warum der Leitzins steigt statt sinkt

Die Inflation in der Ukraine hat eine komplexe Natur: Sie wird durch Binnennachfrage, Angebotsbeschränkungen und externe Preisschocks angetrieben. Steigende Energie- und Kraftstoffpreise erhöhen die Kosten für Produzenten und Spediteure, während Angriffe auf Unternehmen und Infrastruktur die Produktionsmöglichkeiten verringern. Der Mangel an Arbeitskräften und die Notwendigkeit der Energieautonomie treiben die Selbstkosten der Produktion zusätzlich nach oben. Die Zentralbank kann weder die weltweiten Ölpreise senken noch zerstörte Kapazitäten wiederherstellen, aber sie verfügt über Instrumente, um zu verhindern, dass sich vorübergehende Preisschocks in eine dauerhafte Inflation verwandeln, betont Furman.

### Die Gefahr der Verankerung von Inflationserwartungen

Besondere Sorge bereitet die Verschlechterung der Inflationserwartungen. Wenn Unternehmen und Bevölkerung künftige Preissteigerungen in ihre Planungen einbeziehen, schlägt sich dies in der Preisgestaltung, den Lohnforderungen und dem Konsumverhalten nieder, und der anfängliche Schock droht sich in der Wirtschaft festzusetzen. Genau deshalb muss nach Logik der NBU nicht nur auf die aktuelle Inflation reagiert werden, sondern auch auf die Risiken ihrer weiteren Beschleunigung.

### Wer gewinnt und wer vor größeren Herausforderungen steht

Die Zinserhöhung macht Hrywnja-Einlagen und Staatsanleihen attraktiver, was dazu beiträgt, die Kaufkraft der Ersparnisse zu erhalten, die Nachfrage nach der Landeswährung zu stützen und eine übermäßige Devisennachfrage einzudämmen. Für die Wirtschaft ist das Bild komplexer: Teurere Kredite könnten Projekte zur Wiederherstellung von Anlagen und zur Energieautonomie verzögern, obwohl die Kreditverfügbarkeit auch von Kriegsrisiken abhängt. Gleichzeitig wirkt die Geldpolitik nur verzögert — eine Zinserhöhung bedeutet nicht, dass die Preise im nächsten Monat automatisch sinken.

### Prognosen: 12,5 % Inflation und BIP-Rückgang

Nach der aktualisierten NBU-Prognose wird die Inflation Ende 2026 bei 12,5 % erwartet, im Jahr 2027 bei 7,3 %, und eine Rückkehr zum Zielwert von 5 % wird für 2028 prognostiziert. Gleichzeitig wurde die Prognose für das reale BIP-Wachstum für das Jahr 2026 von +1,8 % auf −0,4 % korrigiert. Dies ist eine schwierige Kombination von Risiken: Die Inflation bleibt hoch, und die Wirtschaft leidet stark unter den negativen Auswirkungen des Krieges.

### Was einem einzelnen Zinssatz fehlt

Wie Furman betont, lässt sich diese Situation nicht allein mit dem Leitzins bewältigen. Die Ukraine benötigt eine koordinierte Haushaltspolitik, stabile externe Finanzierungen und den Ausbau der Produktionskapazitäten. Die Hauptaufgabe besteht seiner Ansicht darin, ein Gleichgewicht zwischen zwei kritischen Zielen zu finden: Preisstabilität und Wirtschaftswachstum, um eine Wirtschaft aufzubauen, die selbst unter Kriegsbedingungen wachsen kann.

## Faktencheck und Quellen

- [Инфляция против экономического роста: почему Украине недостаточно лишь менять учетную ставку](https://www.rbc.ua/ukr/news/inflyatsiya-proti-ekonomichnogo-zrostannya-1793358524.html) - Primärquelle: Kolumne von NBU-Vorstandsmitglied W. Furman. Bestätigt die Zinserhöhung auf 16,5 % am 29. Oktober, die Inflationsprognose von 12,5 % (2026), 7,3 % (2027), 5 % (2028) sowie die BIP-Revision von +1,8 % auf −0,4 %.
- [Ставка против страны: почему ЦБ боится экономического роста](https://argumenti.ru/opinion/stavka-protiv-strany-pochemu-cb-boitsya-ekonomicheskogo-rosta-1009383) - Das Material widmet sich dem Leitzins der russischen Zentralbank (14 %), den BRICS-Staaten und Figuren der russischen Finanzelite; es enthält keine NBU-Daten und bestätigt keine ukrainischen Indikatoren, weshalb es sachlich nicht verwendet wurde.

## Häufige Fragen

### Auf welches Niveau und wann hat die NBU den Leitzins angehoben?

Am 29. Oktober hat die Nationalbank der Ukraine den Leitzins von 16 % auf 16,5 % per annum erhöht.

### Wie lautet die aktualisierte Inflations- und BIP-Prognose?

Die NBU prognostiziert eine Inflation von 12,5 % Ende 2026 und 7,3 % im Jahr 2027, mit einer Rückkehr zum 5 %-Ziel im Jahr 2028. Das reale BIP-Wachstum 2026 wurde von +1,8 % auf −0,4 % revidiert.

### Wer profitiert von der Zinserhöhung und wer hat Nachteile?

Sparer profitieren von attraktiveren Hrywnja-Einlagen. Unternehmen haben es schwerer, da Kredite teurer werden, was Investitions- und Wiederaufbauprojekte verzögern kann.

### Warum reicht ein einzelner Zinssatz nicht aus?

Laut dem NBU-Vorstandsmitglied sind zusätzlich eine abgestimmte Fiskalpolitik, stabile externe Finanzierungen und der Ausbau von Produktionskapazitäten erforderlich.