In der ukrainischen Währungssystematik steht ein bedeutendes Ereignis bevor. Die Nationalbank der Ukraine hat die Einführung einer neuen Banknote mit dem höchsten Nennwert angekündigt – 2000 Hrywnja. Das Gesicht der neuen Scheins wird der legendäre Dichter der Sechziger, Dissident und Menschenrechtsverteidiger Wassyl Stus sein. Der offizielle Start ist für den 4. September 2026 geplant – ein Datum, das nicht zufällig gewählt wurde, sondern als Symbol der Erinnerung an den Dichter dient.
Visuell stellt die Banknote eine Synthese aus Porträtstich und modernen grafischen Elementen dar. Auf dem Schein ist das Porträt von Wassyl Stus abgebildet, sowie ein Zitat aus seinem Gedicht: «А свічка тріпотить світанком, котрий наш правнук днем назве» (Und die Kerze flackert im Morgengrauen, das unser Urenkel als Tag nennen wird). Der Vorsitzende der Nationalbank, Andrij Pyshnyj, betonte, dass die neue Banknote mit mehr als 20 fortschrittlichen Sicherheitselementen ausgestattet sein wird, was den Status der Hrywnja als eine der am besten geschützten Währungen der Welt bestätigt.
Juristischer Aspekt: Wessen Gesicht ist das?
Neben den künstlerischen und technischen Merkmalen hat das Erscheinen des Porträts von Stus auf dem Geld eine Reihe interessanter juristischer Fragen aufgeworfen. Denn der Dichter verstarb 1985, und die Verwendung seines Abbilds wird durch das Zivilrecht und das Gesetz „Über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte“ geregelt.
Die Leiterin der Abteilung für geistiges Eigentum bei Nota Group, Anna Jakot, erklärt, dass in diesem Fall zwei parallele Genehmigungsmechanismen gelten. Erstens gehört das Recht auf die Verwendung des Abbilds einer verstorbenen Person den Erben erster Ordnung: Kindern, Ehepartner oder Eltern. Folglich besitzt die Familie von Wassyl Stus aus rechtlicher Sicht das Recht, die Genehmigung für die Platzierung seines Porträts auf der Banknote zu erteilen oder abzulehnen.
Gibt es eine Möglichkeit, diese Zustimmung zu umgehen? Anna Jakot weist darauf hin, dass Teil 3 des Artikels 308 des Zivilgesetzbuchs der Ukraine die Notwendigkeit einer Zustimmung erübrigt, wenn das Abbild zum Schutz der Interessen anderer Personen verwendet wird. Nach Ansicht der Expertin fällt die Veröffentlichung des Porträts auf einer Banknote jedoch nicht unter diese Kategorie, da sie nicht dem Zweck dient, die Interessen Dritter zu schützen.
Urheberrecht und Gemeinfreiheit
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft das Urheberrecht am Foto selbst. Es gehört dem Fotografen oder seinen Erben. Die Schutzfrist beträgt die Lebenszeit des Autors plus 70 Jahre. Ist diese Frist abgelaufen, geht das Werk in die Gemeinfreiheit über.
Die Expertin zieht einen Vergleich zu bereits existierenden Banknoten, auf denen Bohdan Chmelnyzkyj und andere historische Persönlichkeiten abgebildet sind. In deren Fällen sind die Urheberrechtsschutzfristen längst abgelaufen, und die Abbildungen sind gemeinfrei. Die Situation mit Wassyl Stus, dessen Leben und Werk dem 20. Jahrhundert angehören, ist juristisch komplexer, und es könnte ein Bedarf an einer Lizenz zur Verwendung des Fotos oder zur Erstellung eines Bildes auf dessen Basis entstanden sein.
Die Frage der Vergütung
Die natürliche Frage, die im Zusammenhang mit der Verwendung des Abbilds aufkommt: Wird die Familie des Dichters eine finanzielle Vergütung erhalten? Anna Jakot gibt eine klare Antwort: Ja, theoretisch ist dies möglich, aber nicht zwingend. Nach dem Gesetz sieht die Erteilung der Zustimmung zur Verwendung eines Abbilds keine automatische Bezahlung vor. Eine Vergütung kann gezahlt werden, hängt aber von Vereinbarungen ab und nicht von strengen gesetzlichen Normen.
RBC-Ukraine versuchte, einen Kommentar vom Sohn von Wassyl Stus zu erhalten, lehnte jedoch bisher eine offizielle Stellungnahme zu dieser Frage ab. Dennoch wird das Erscheinen des Porträts des Dichters auf der Banknote mit dem höchsten Nennwert ein wichtiger Schritt zur Verewigung der Erinnerung an die ukrainische Kultur und die Geschichte des Widerstands sein.