Die Frage einer neuen Mobilisierung in Russland ist nicht länger theoretisch, sondern hat sich zu einer realen Bedrohung entwickelt, mit der das ukrainische Kommando konfrontiert ist. Laut neuesten Daten des Instituts für Kriegsstudien (ISW) könnten jedoch die Pläne des Kremls für eine Masseneinberufung für die russische Armee nicht zur Rettung, sondern zur Katastrophe führen. Experten sind sich einig: Eine Zwangsmobilisierung wird den Mangel an Personal nicht beheben, sondern die systemischen Probleme der russischen Streitkräfte nur verschärfen.
Personalmangel und logistischer Sackgasse
Analysten des ISW weisen auf ein fundamentales Problem hin: Die Auswirkungen einer neuen Mobilisierungswelle bleiben höchst zweifelhaft. Die russische Armee leidet nicht nur unter einem Mangel an einfachen Soldaten, sondern auch an qualifiziertem Fachpersonal. Die Verluste an der Front sind enorm, doch noch dringender ist die Frage nach der Rekrutierung von Personal für neue Waffensysteme – Bediener von Drohnensystemen und Luftabwehreinheiten, die für den Schutz des Hinterlands vor ukrainischen Angriffen notwendig sind.
Die Versuche des Kremls, die Rekrutierungsgrundlage zu erweitern, gehen bis zum Absurden: Man versucht, Studenten und Frauen in die Armee zu ziehen. Dennoch bringt selbst die Erhöhung finanzieller Anreize für Vertragsoldaten nicht das gewünschte Ergebnis. Die Rekrutierungsraten sinken, was die Führung zu alternativen Maßnahmen in Form von Zwangsmaßnahmen zwingt.
Der Drohnenfaktor: Ein Schlag gegen die Logistik
Ein Schlüsselfaktor, der die Effektivität aller Mobilisierungspläne blockiert, ist die ukrainische Drohnenaufklärung und Angriffsbetrieb. Drohnen behindern aktiv den Transport von Personal an die Front, stören die Versorgungsketten und machen die Verteidigung von Positionen zu einer extrem schwierigen Aufgabe. Selbst wenn es gelingt, Mobilisierte einzuberufen, wird es immer schwieriger, sie in kampfbereitem Zustand an die Front zu bringen.
Die Degradierung elitärer Einheiten
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Situation des elitären Zentrums für Drohnensysteme „Rubikon“. Genau seine Operatoren sicherten Ende 2025 eine Reihe taktischer Erfolge der russischen Armee. Aufgrund der Überlastung des Systems und des Mangels an gut ausgebildetem Personal nimmt die Effektivität dieser Einheit jedoch rapide ab. Dies ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Skalierung ohne qualitative Ausbildung zur Degradierung der Kampfkraft führt.
Politische Risiken und die Zukunft des Krieges
Das ISW warnt: Der Kreml nähert sich dem Punkt ohne Rückkehr, an dem der Personalmangel zur größten Bedrohung für die Fortsetzung des Krieges wird. Die russischen Behörden erwägen Szenarien einer neuen Mobilisierung von bis zu 300.000 Menschen, falls sie den Krieg noch 1-2 Jahre fortsetzen wollen. Das Büro des ukrainischen Präsidenten schließt ebenfalls nicht aus, dass Wladimir Putin nach den Wahlen zur Staatsduma eine allgemeine Mobilisierung ausrufen könnte. Doch wie Analysten zeigen, wird eine bloße Erhöhung der Truppenstärke ohne Lösung der systemischen Probleme nur die Krise der russischen Kriegsmaschinerie beschleunigen.