Die Cybersicherheit steht vor einer neuen Bedrohung, bei der Angreifer nicht mehr blind agieren. Spezialisten der Firma Varonis Threat haben einen neuen Remote-Access-Trojaner namens Dolphin X entdeckt. Das Hauptmerkmal dieser Software ist das integrierte System AI Profiler, das künstliche Intelligenz nutzt, um infizierte Geräte automatisch zu bewerten. Hacker erhalten nun eine fertige Liste der wertvollsten Ziele, sortiert nach Priorität.

Technologie im Dienste von Cyberkriminellen

Die Informationen über das Auftreten von Dolphin X wurden bekannt, nachdem Daniel Kelley von Varonis Threat Werbung für diese Schadsoftware auf einem Cyberkriminalitäts-Forum entdeckt hatte. Der Verkäufer, der sich hinter dem Pseudonym Kontraktnik verbirgt, positionierte das Programm als universelles Werkzeug für den Fernzugriff.

Die Analyse des Dashboards durch Experten ergab beeindruckende Funktionen: Das System umfasst 329 Funktionen, die auf zehn Kategorien verteilt sind. Dazu gehören leistungsfähige Tools zum Diebstahl von Zugangsdaten aus mehr als 300 verschiedenen Anwendungen.

Funktionsweise des Moduls AI Profiler

Das Schlüsselelement des Trojaners ist das Modul AI Profiler. Dieser Algorithmus analysiert die von infizierten Computern gesammelten Daten und weist jedem System ein individuelles Risikoprofil zu. Für die Erstellung des Profils werden Daten zu installierten Anwendungen, besuchten Domains und anderen Risikofaktoren verwendet.

Das Ergebnis der Systemarbeit ist eine tägliche Liste von Opfern, die die Betreiber bereits sortiert erhalten. Dies ermöglicht es Cyberkriminellen, sich auf die Systeme zu konzentrieren, die den größten Nutzen bringen, und spart Zeit beim Durchsuchen weniger bedeutender Ziele.

Einschränkungen der Untersuchung und verborgene Möglichkeiten

Wichtig ist anzumerken, dass die Untersuchung ohne den Start einer echten Dolphin X-Probe auf einem Testsystem durchgeführt wurde. Die Experten untersuchten das Dashboard, den Schadsoftware-Baukasten und den damit verbundenen Netzwerkverkehr. Daniel Kelley bestätigte das Vorhandensein technischer Codezeilen im Zusammenhang mit der Arbeit von AI Profiler, konnte jedoch nicht feststellen, welcher spezifische KI-Engine für die Erstellung der Bewertungen verwendet wird.

Neben der Rangliste der Opfer beinhaltet der Funktionsumfang des Trojaners laut Angaben auch die Möglichkeit, kritische Daten zu stehlen: .env-Dateien, SSH-Schlüssel, Cloud-Zugangstokens, Browser-Anmeldeinformationen und Informationen zu Kryptowährungs-Wallets. Die Firma Varonis betont, dass die angegebenen Datenbeschaffungs-Funktionen in der Praxis nicht bestätigt wurden, da das Original des Trojaners für Tests nicht verfügbar war.