Das ukrainische Parlament (Werchowna Rada) hat einen Schritt zur grundlegenden Änderung des Unterstützungssystems für Binnenvertriebene (BVL) unternommen. Der angenommene Gesetzentwurf Nr. 12301 zielt darauf ab, den formalen Ansatz zugunsten einer echten Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen abzuschaffen. Das Dokument ändert die Spielregeln: Der Staat wird sich nun auf die Bedürfnisse des Menschen konzentrieren und nicht auf das Vorhandensein eines Stempels im Pass.
Rechte ohne Registrierung
Eine der bedeutendsten Neuerungen ist die Bestimmung, die Binnenvertriebenen den vollen Umfang der verfassungsmäßigen Rechte und Freiheiten garantiert. Laut Gesetzestext ist dafür keine obligatorische Registrierung als BVL mehr erforderlich. Wie Jelena Schuljak, Vorsitzende des zuständigen Ausschusses der Werchowna Rada, betonte, gelten spezielle Erfordernisse für die Registrierung nur in einem Fall – wenn eine Person bestimmte Vergünstigungen oder zusätzliche staatliche Garantien in Anspruch nehmen möchte. Dieser Ansatz soll bürokratische Hürden ausschließen und mögliche Missbrauchsfälle verhindern.
Verzicht auf Bescheinigungen und Papierkram
Das Gesetz sieht auch den Verzicht auf die traditionelle Bescheinigung über die Registrierung vor. In Zukunft wird eine Auszug aus der entsprechenden staatlichen Datenbank als Bestätigung des Status dienen. Experten und Abgeordnete betonen, dass dies den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen erheblich vereinfacht und die Abhängigkeit der Bürger von Papierdokumenten verringert, die häufig verloren gehen oder eine lange Bearbeitungszeit erfordern.
Zielgerichtete Hilfe statt formaler Zahlungen
Die finanzielle Unterstützung wurde ebenfalls durch eine wesentliche Reform betroffen. Es wird ein Mechanismus zur Bewertung der Bedürfnisse von BVL eingeführt, der das Ausmaß der zusätzlichen Garantien, einschließlich finanzieller Unterstützung für den Lebensunterhalt, bestimmen wird. Laut Jelena Schuljak wird dies einen Übergang von der Hilfe „aufgrund des Status“ zu einer zielgerichteten Unterstützung konkreter Familien ermöglichen. Der Staat plant, die tatsächlichen Bedürfnisse der Umsiedler zu berücksichtigen, damit Ressourcen so effizient wie möglich verteilt werden.
Lösung der Wohnungsfrage
Wohnraum bleibt eines der dringendsten Probleme für Millionen von Umsiedlern. Das neue Gesetz regelt die Tätigkeit von temporären Unterkünften und bietet ein Bündel von Instrumenten für eine langfristige Lösung des Problems. Dazu gehören zinsgünstige Kredite, die Möglichkeit des Wohnungskaufs, Miete und der Erwerb von Eigentum. Im Parlament wird betont, dass der Staat nicht nur eine vorübergehende Unterkunft anbieten sollte, sondern echte Perspektiven für das Leben.
Zuvor wurde berichtet, dass die Miete für viele BVL eine unerschwingliche finanzielle Belastung darstellt. In diesem Zusammenhang wird in der Werchowna Rada die Entwicklung erschwinglicher Mieten, die Schaffung von Sozialwohnungen und die Legalisierung des Mietmarktes diskutiert, um die Steuerbelastung für Wohnungseigentümer zu senken.
Neue Begriffe und langfristige Strategie
Das Dokument präzisiert eine Reihe grundlegender Definitionen wie „Adaption“, „Integration“, „Reintegration“ und „verlassener Wohnort“. Dies ist notwendig, um die Binnenverlagerung als einen langfristigen Prozess zu betrachten, der die Phasen der Evakuierung, Adaption, Integration und schließlich der Rückkehr nach Hause umfasst.
Parallel zur Annahme des Gesetzes ist in der Ukraine ein Mechanismus zur Reservierung von Mitteln für Wohngutscheine für Umsiedler aus vorübergehend besetzten Gebieten in Kraft getreten. In der ersten Phase können Veteranen und Menschen mit Behinderungen davon Gebrauch machen, und in Zukunft soll das Programm auf andere Bürgerkategorien ausgeweitet werden.