Bei einer Kundgebung im US-Bundesstaat Michigan schimpfte US-Präsident Donald Trump heftig über Norwegen und begründete seinen Frust damit, dass ihm der Friedensnobelpreis nicht verliehen worden sei. Während seines Auftritts erklärte der amerikanische Politiker, er wolle keine Migranten mehr aus dem skandinavischen Land aufnehmen, und bezeichnete Norwegen als ein „Dreckshloch-Land“ (Shithole Country). Diese Äußerungen sorgten international für großes Aufsehen und lösten in Oslo sowohl offizielle als auch inoffizielle Reaktionen aus.
Die ironische Antwort von Visit Norway
Der nationale Tourismusverband Visit Norway wählte ein unkonventionelles Format, um auf Trumps beleidigende Worte zu reagieren – ganz im Sinne des skandinavischen Humors. Die Agentur veröffentlichte eine Auswahl von Fotos ungewöhnlicher öffentlicher Toiletten, die sich an den malerischsten Orten des Landes befinden, und versah sie mit der ironischen Bildunterschrift: „Norwegen macht Toiletten wieder großartig!“. Visit Norway betonte, dass diese Anlagen die Aufmerksamkeit von Reisenden verdienen, unabhängig davon, ob ein unmittelbares Bedürfnis zur Nutzung besteht.
Stegastein: Minimalismus am Rande des Abgrunds
Zu den bekanntesten Beispielen in der Auswahl gehört die Toilette an der Aussichtsplattform Stegastein in der Sognefjord-Region in Westnorwegen. Das Bauwerk zeichnet sich durch strenge minimalistische Architektur und große abgedunkelte Panoramafenster aus, die den Blick auf den Fjord und die Bergketten freigeben. Dank der besonderen Konstruktion können Besucher die Landschaft bewundern, während sie von außen unsichtbar bleiben. Diese Anlage wurde von internationalen Publikationen zuvor bereits in die Liste der zehn weltbesten öffentlichen Toiletten aufgenommen.
Wellenförmiges WC und die „goldene Toilette“
Ein weiteres Objekt in der Auswahl ist die wellenförmige Toilette Ureddplassen an der wilden Helgeland-Küste. Ihre Form greift die Meereslandschaft auf, und der Platz bietet einen freien Blick auf das Normeer. Einige internationale Medien hatten sie zuvor als eine der malerischsten öffentlichen Toiletten der Welt bezeichnet. Die Liste umfasst zudem ein modernistisches WC nahe der Aussichtsplattform Utsikten, das Objekt Tungeneset auf der Insel Senja, das vor der Kulisse der Nordlichter besonders eindrucksvoll wirkt, sowie ein dreieckiges Bauwerk, das als „goldene Toilette“ bekannt ist. All diese Anlagen befinden sich inmitten norwegischer Naturlandschaften – unweit von Flüssen, Wasserfällen und Bergpanoramen.
Haltung des norwegischen Außenministeriums zum Nobelpreis
Parallel zur Tourismusinitiative wandte sich das norwegische Außenministerium mit einer offiziellen Klarstellung an die Öffentlichkeit, um ein weit verbreitetes Missverständnis zu korrigieren. Das Ministerium erinnerte daran, dass der Friedensnobelpreis weder von der norwegischen Regierung noch vom Staat als solchem vergeben wird, sondern von einem unabhängigen Nobelkomitee, das gemäß dem Testament von Alfred Nobel arbeitet. Die Entscheidung über eine Auszeichnung oder deren Ausbleiben ist somit kein Gegenstand der staatlichen Politik Oslos.
Tourismus als Instrument der sanften Diplomatie
Visit Norway weist darauf hin, dass solche architektonischen Objekte es Reisenden ermöglichen, sich Zeit zu nehmen und die Natur zu genießen, wobei die Toilettenarchitektur manchmal zu einem ebenso spannenden Teil der Reise wird wie die klassischen Touristenrouten. Die als Reaktion auf Trumps Äußerungen gestartete öffentliche Kampagne ist ein weiteres Beispiel dafür, wie skandinavische Länder ihr Kultur- und Tourismuskapital als Instrument der Soft Diplomacy und zur Imagepflege auf internationaler Bühne einsetzen.