Oslo hat eine massive Ausweitung der militärischen Unterstützung für Kiew angekündigt und setzt dabei auf die Entwicklung mariner Drohnentechnologien. Im Rahmen des Nansen-Programms hat die norwegische Regierung 1,2 Milliarden Kronen (etwa 126 Millionen US-Dollar) für die Produktion und Beschaffung von Seedrohnen bereitgestellt. Diese Entscheidung wurde von Ministerpräsident Jonas Gahr Støre während eines Treffens mit Wolodymyr Selenskyj auf dem Gipfel in Tallinn verkündet.

Strategie: Von der Entwicklung bis zur Massenproduktion

Die Finanzierung dient der Lösung zweier Hauptaufgaben: der Entwicklung neuer Modelle unbemannter Schiffe und dem Kauf fertiger Systeme. Bei der Umsetzung des Projekts werden sowohl norwegische als auch ukrainische Hersteller beteiligt sein. Dieser Ansatz soll die Lieferung der Ausrüstung beschleunigen und sie an die realen Kampumbedingungen anpassen.

Geplant ist, dass bis Ende des laufenden Jahres die 200. Einheit geliefert wird. Die mehrsektoralen unbemannten Plattformen zeichnen sich durch hohe Flexibilität aus: Je nach taktischer Aufgabe können sie mit Aufklärungssensoren, Schlagwaffen oder sogar Luftdrohnen ausgestattet werden.

Schutz der Seewege und globale Logistik

Das Hauptargument für die Finanzierung war die kritische Bedeutung eines sicheren Seewegs im Schwarzen Meer. Die norwegische Regierung betonte, dass der reibungslose Betrieb der Handelsrouten nicht nur die Wirtschaft der Ukraine, sondern auch die globale Ernährungssicherheit beeinflusst.

Ministerpräsident Støre stellte fest, dass die ukrainischen Streitkräfte Seedrohnen bereits effektiv für Aufklärung, Angriffe und den Schutz vor Feindangriffen einsetzen. „Die norwegische Schiffbauindustrie ist weltweit führend. Ich freue mich, dass diese Kompetenzen auch zur Unterstützung des Kampfes der Ukraine für die Freiheit genutzt werden können', erklärte er.

Gegenseitig vorteilhafte Zusammenarbeit

Der norwegische Verteidigungsminister Thorvald Stave betonte den doppelten Nutzen dieses Projekts. Neben der Hilfe für Kiew ermöglicht die Zusammenarbeit den norwegischen Streitkräften, wertvolle Erfahrungen im Einsatz unbemannter mariner Systeme unter realen Kampfbedingungen zu sammeln.

Norwegen und Großbritannien leiten die 2023 gegründete Seekoalition zur Unterstützung der Ukraine. Oslo nutzt weiterhin aktiv das Potenzial seiner eigenen Industrie, um die ukrainischen Fähigkeiten auf See zu stärken. Zuvor hatte das Land bereits 2,8 Milliarden Kronen für den Kauf von US-Waffen über den PURL-Mechanismus bereitgestellt und damit das Gesamtvolumen der Finanzierung dieses Programms auf 12,5 Milliarden Kronen erhöht.