In Druzhkivka in der Oblast Donezk, die seit langem in einer Frontnähe liegt und regelmäßig Angriffen ausgesetzt ist, findet eine massive Veränderung im Logistiksektor statt. Das Unternehmen «Nova Poshta» hat beschlossen, den Betrieb der beiden letzten verbleibenden Filialen in der Stadt vorübergehend einzustellen. Dies ist eine erzwungene Maßnahme, die durch die kritische Sicherheitslage und die ständigen russischen Beschüsse der Ortschaft diktiert wird.

Schließungsplan und Gründe für die Entscheidung

Dem offiziellen Statement des Unternehmens zufolge wird der Schließungsprozess schrittweise erfolgen. Die Filiale Nr. 3 wird ihren Betrieb bereits am 9. Juni einstellen. Etwas später, am 18. Juni, werden auch die Türen der Filiale Nr. 1 geschlossen. Die Presseabteilung von «Nova Poshta» betonte, dass die Entscheidung ausschließlich getroffen wurde, um das Leben und die Gesundheit der Mitarbeiter sowie der Kunden zu schützen. Ständige Angriffe auf die Stadt machen eine physische Präsenz in den Büros zu gefährlich.

Bis zum letzten Moment versuchte das Unternehmen, den Betrieb der Filialen aufrechtzuerhalten, da es deren kritische Bedeutung für die Bewohner verstand. Druzhkivka, die ohne stabiles Wasserversorgungssystem und Stromversorgung ist, verließ sich auf die Logistikzentren nicht nur als Abholstellen für Waren. Unter den Bedingungen einer zerstörten Infrastruktur wurden die Filialen zu Orten, an denen lebenswichtige Medikamente und Lebensmittel bezogen, Dinge an Verwandte geschickt und Gadgets während der flächendeckenden Stromausfälle aufgeladen werden konnten.

Alternative für die Bewohner: Paketautomaten

Trotz der Schließung der Büros werden die Bewohner von Druzhkivka nicht vollständig ohne Service dastehen. In der Stadt werden weiterhin 9 Paketautomaten (Pochtomaty) funktionieren. Über diese automatisierten Punkte können Bürger Pakete sowohl empfangen als auch versenden. Das Unternehmen hat zugesichert, die Logistik für die Paketautomaten sicherzustellen, solange dies für die Fahrer und Kurierdienste, die die Lieferung durchführen, sicher ist.

Das Ausmaß der Arbeit, das die Filialen verrichteten, belegen die Zahlen. Allein im Mai liefen rund 10.000 Sendungen durch die «Nova Poshta»-Stellen in Druzhkivka. Dies zeigt, dass die Logistik eines der wenigen funktionierenden Systeme zur Lebenserhaltung in der Stadt blieb.

Schicksal der Mitarbeiter und Perspektiven der Rückkehr

Die Frage der Sicherheit betraf auch das Personal. Für die Dauer der vorübergehenden Schließung wurde allen Mitarbeitern der lokalen Filialen die Möglichkeit eines Arbeitsplatzes in sichereren Regionen der Ukraine angeboten. Dies ermöglichte es, den Personalbestand zu erhalten und den Mitarbeitern Arbeitsbedingungen fernab der Zone aktiver Kampfhandlungen zu gewährleisten.

«Nova Poshta» plant nicht, Druzhkivka für immer zu verlassen. Das Unternehmen merkte an, dass es beabsichtigt, den vollen Betrieb in der Stadt und anderen Ortschaften der Oblast Donezk wieder aufzunehmen, sobald die Sicherheitslage dies zulässt.

Kontext der Situation in Druzhkivka

Die Entscheidung zur Schließung der Filialen fügt sich in das Gesamtbild der Zerstörung der Infrastruktur in der Stadt ein. Druzhkivka steht unter ständiger Bedrohung durch russische Luftangriffe. Zuvor hatten Journalisten die Evakuierung der Bewohner und die Arbeit von Rettungsteams wie den «Weißen Engeln» dokumentiert, die Menschen aus der Stadt evakuieren, in der praktisch keine kommunalen Dienste mehr funktionieren und nur eine Apotheke geöffnet ist.

Die besondere Dringlichkeit der Situation unterstreicht der jüngste Angriff am 1. Juni. Damals warfen die Besatzer drei FAB-250-Luftbomben mit UMPK auf Druzhkivka ab. Der Treffer traf Wohnhochhäuser. Infolge des Angriffs wurden fünf Zivilisten verletzt und mindestens fünf Häuser beschädigt. Genau unter solchen Bedingungen wurde die Fortsetzung des Betriebs stationärer Büros unmöglich.