Die Weltmärkte sehen sich mit einer neuen Welle der Volatilität konfrontiert: Der Ölpreis erreichte ein Monatsmaximum und reagierte auf die rapide Eskalation der Spannungen im Nahen Osten. Ein Schlüsselfaktor ist das Risiko einer Unterbrechung der Energieversorgung aus dem Persischen Golf vor dem Hintergrund der Unsicherheit bei den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.
Plötzlicher Preisanstieg
Der Preis für die Ölmarke West Texas Intermediate (WTI) bewegte sich im Handel bei etwa 92 Dollar pro Barrel und verzeichnete nach der vorherigen Sitzung einen Anstieg von mehr als 5 %. Auch das britische Rohöl Brent zeigte einen deutlichen Aufwärtstrend und handelte knapp unter dem Niveau von 95 Dollar pro Barrel.
Die Preisentwicklung war direkt mit dem Nachrichtenfluss verbunden: Am Montag stiegen die Kurse nach Berichten darüber, dass der Iran die Verhandlungen mit den USA ausgesetzt hat. Teheran protestierte gegen die Aktionen Israels im Libanon. Kurz darauf begannen die Kurse jedoch zu fallen, als der US-Präsident Donald Trump erklärte, dass der Dialog zwischen den Parteien fortgesetzt werde.
Trump-Stellungnahme und Aussichten auf ein Abkommen
In einem Telefonat mit dem Fernsehsender ABC News gab Donald Trump bekannt, dass ein Memorandum of Understanding mit dem Iran bezüglich der Wiedereröffnung des Ormusstraßens innerhalb der nächsten Woche unterzeichnet werden könnte. Dabei betonte der Chef des Weißen Hauses, dass Washington vor dem Abschluss des endgültigen Abkommens „noch einige Punkte erzielen' müsse.
Experten stellen fest, dass die mangelnde Klarheit über die künftigen Energieflüsse durch den strategisch wichtigen Ormusstraßen einen direkten Einfluss auf den Markt hat. Zuvor waren die Preise vor dem Hintergrund des Optimismus bezüglich eines möglichen Abkommens gefallen, doch die aktuelle Situation führt erneut zu Korrekturen.
Gefahr der Schließung der Meerengen
Die Situation wird durch Aussagen aus dem Iran verschärft. In einer Mitteilung des halbamtlichen Nachrichtenagenturs Tasnim heißt es, dass Teheran und seine regionalen Vermittler die Frage einer vollständigen Schließung des Ormusstraßens auf die Tagesordnung gesetzt haben. Zudem wird die Möglichkeit diskutiert, die Bab-el-Mandeb-Straße zu sperren – eine kritisch wichtige Alternative für den Ölexport.
Rebecca Babin, Senior Energy Trader bei der CIBC Private Wealth Group, warnte vor den Risiken:
- Das Fehlen aktiver Verhandlungen beraubt den Markt von Sicherheitsgarantien.
- Die Parteien können keine endgültige Lösung finden, was zu ständigen Streitigkeiten führt.
- Investoren verlieren den Orientierungspunkt für die Bestimmung des besten Szenarios für die weitere Entwicklung.
Diplomatische Verwirrung
Die Situation wird durch Meinungsverschiedenheiten zwischen den Staatsführern erschwert. Bloomberg stellt fest, dass die Verwirrung durch widersprüchliche Einschätzungen von Donald Trump und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bezüglich der Kampfhandlungen im Libanon verstärkt wurde. Der Iran hat die Verhandlungen offiziell wegen der Intensivierung des Konflikts in dieser Region ausgesetzt.
Trotzdem wurde vor diesem Hintergrund eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand zwischen Tel Aviv und der Hisbollah erzielt. Das von den USA vermittelte Dokument soll auf alle libanesischen Gebiete ausgedehnt werden. Die nächsten Verhandlungsrunden sind für Dienstag und Mittwoch geplant, was ein Schlüsselfaktor für die Stabilisierung der Ölpreise sein könnte.