Die Energiemärkte haben mit einem starken Anstieg der Preise auf Nachrichten über die Wiederaufnahme der aktiven Phase des Konflikts im Persischen Golf reagiert. Am Donnerstag, dem 9. Juli, stiegen die Kurse für „schwarzes Gold' um mehr als 1 %, was die Besorgnis der Anleger über die Stabilität der globalen Lieferketten widerspiegelt.

Anstieg der Brent- und WTI-Kurse

Die Handelstage zeigten einen deutlichen Anstieg der wichtigsten Marktsorten. Die Öl-Futures für die Sorte Brent stiegen um 86 Cent, was einem täglichen Anstieg von 1,1 % entspricht. Der Preis pro Barrel erreichte 78,88 US-Dollar. Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) zeigte eine ähnliche Dynamik und verteuerte sich um 85 Cent, oder 1,2 %, auf 74,37 Dollar pro Barrel.

Analysten der ING Bank verknüpfen in einem Kundenbrief den morgendlichen Preisanstieg direkt mit den neuen US-Angriffen auf den Iran. Experten stellen fest, dass die jüngste Eskalation des Konflikts das Vertrauen in das fragile Waffenstillstandsabkommen „in die Luft gesprengt' hat, das zuvor für Ruhe auf dem Markt gesorgt hatte.

Gefahr für die Straße von Hormus

Ein Schlüsselfaktor für die Panik war die Situation rund um die Straße von Hormus. Vor Beginn der Kampfhandlungen floss ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgaslieferungen durch diese schmale Wasserstraße. Die Kontrolle über die Straße war immer das wichtigste Druckmittel Teherans im Konflikt, der bereits am 28. Februar mit Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran begann.

Die Lage auf dem Wasserweg hat sich drastisch verschärft. Der Analyst der IG, Tony Sicam, glaubt, dass der Verkehr von Öltankern durch die Straße in den letzten Wochen faktisch zum Erliegen gekommen ist. Reedereien, die um die Sicherheit besorgt sind, werden wahrscheinlich eine vorsichtigere Haltung einnehmen, was in Zukunft zu einem Angebotsdefizit führen könnte.

US-Position und Ende der Verhandlungen

Auch der politische Hintergrund begünstigt keine Preissenkungen. Während des NATO-Gipfels am 8. Juli kündigte der US-Präsident Donald Trump offiziell das Ende des Waffenstillstands mit dem Iran an. Auslöser war der iranische Angriff auf Handelsschiffe am 7. Juli. Trump erklärte, dass Washington unter den aktuellen Umständen nicht mit Teheran verhandeln wolle.

Laut dem amerikanischen Staatschef hatte sich der Iran jedoch nach den jüngsten Angriffen mit den USA in Verbindung gesetzt und ein Abkommen vorgeschlagen. Dennoch äußerte Trump Zweifel an der Aufrichtigkeit der Absichten Teherans. In der Nacht zum 9. Juli führten die USA Gegenangriffe auf iranischem Territorium durch und griffen fast einhundert Ziele an, was die Hoffnungen auf eine schnelle Beilegung und die Wiederaufnahme der Schifffahrt endgültig begrub.