Der globale Energieträgermarkt durchlebt derzeit einen der angespanntesten Momente der jüngsten Vergangenheit. Der Ölpreis hat erstmals seit zwei Monaten die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar pro Barrel überschritten. Der schroffe Anstieg des Rohstoffpreises ist eine direkte Folge der raschen Eskalation der Spannungen im Nahen Osten, wo der Konflikt in eine neue, gefährlichere Phase eingetreten ist.
Neue Front im Roten Meer
Der entscheidende Auslöser für die Preissteigerungen waren die Aktionen der von Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen. Die Kämpfer erklärten, zwei saudische Tanker im Roten Meer angegriffen zu haben. Mit Raketen und Drohnen versuchen sie, die in dieser Woche angekündigte Blockade saudischer Häfen umzusetzen. Dieses Ereignis ist kritisch, da es eine neue Front des Konflikts eröffnet, der zuvor auf die Straße von Hormus konzentriert war.
Laut dem Nachrichtenagenturen Bloomberg gefährden die Angriffe im Roten Meer eine kritisch wichtige Umgehungsroute, die Saudi-Arabien für den Ölexport nutzte. Die Verringerung der Durchgangskapazität durch die Straße von Bab el-Mandeb zwingt Reedereien, Alternativen zu suchen. Einige Schiffe ändern bereits ihren Kurs, und große Abnehmer aus Indien und anderen asiatischen Ländern erwägen den Umstieg auf eine längere Route durch den Sueskanal, was die logistischen Kosten unvermeidlich erhöhen wird.
Geopolitischer Schock und Drohungen von Trump
Die Lage in der Region verschärft sich vor dem Hintergrund gegenseitiger Angriffe zwischen Iran und den USA. In den letzten Tagen hat der Iran Schiffe in der Straße von Hormus angegriffen. Als Reaktion darauf führten die Vereinigten Staaten in den letzten 12 Tagen Bombardierungen der Islamischen Republik durch und haben die Blockade iranischer Häfen wieder aufgenommen. Teheran seinerseits antwortete mit Angriffen auf US-Verbündete in der Region.
Die Spannungen erreichten ihren Höhepunkt nach den Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump. Er drohte öffentlich, Brücken und Kraftwerke im Iran zu bombardieren. Darüber hinaus wiederholte Trump Drohungen gegen den Berg Pikaks, wo sich laut Geheimdienstinformationen ein iranisches Nuklearobjekt befinden könnte. Diese Aussagen, die am 23. Juli getätigt wurden, führten zu einem Anstieg der Preise auf 96 Dollar pro Barrel, während die Kurse am 22. Juli bereits 92 Dollar erreichten, getrieben von Befürchtungen über Lieferunterbrechungen.
Wirtschaftliche Folgen und Prognosen
Der Markt reagiert sofort und hart auf Neuigkeiten. Die Rohölfutures der Sorte Brent stiegen seit Monatsbeginn um mehr als 30 % und näherten sich dem höchsten Niveau seit Ende Mai. Experten stellen fest, dass die Situation auch vom Krieg zwischen Russland und der Ukraine beeinflusst wird, der den Ölexport aus Kasachstan gefährdet. In Kombination mit der Verringerung der weltweiten Vorräte schaffen dies ideale Bedingungen für einen schmerzhaften Preisanstieg.
Analysten prognostizieren, dass sich die Ölpreise in diesem Jahr noch weiter erhöhen könnten, wenn die Kampfhandlungen im Nahen Osten anhalten. Die Welt steht vor einem ernsthaften Energiekrise, in dem jeder neue Angriff auf einen Tanker oder jede Drohung gegen ein Nuklearobjekt zu neuen historischen Höchstständen an den Börsen führen könnte.