Der im September 2026 veröffentlichte Monatsbericht der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) verzeichnete einen erheblichen Rückgang der Rohölförderung in Russland. Laut Angaben der Organisation, die sich auf Sekundärquellen stützt, belief sich die Ölproduktion in Russland im August 2026 auf 8,718 Mio. Barrel pro Tag. Das sind 160.000 Barrel weniger als der revidierte Durchschnittswert für Juli und stellt den größten monatlichen Rückgang seit Dezember des Vorjahres dar, als die Förderung laut OPEC-Angaben einen anhaltenden Abwärtstrend einläutete. Besonders hervorgehoben wird, dass der Augustwert 1,17 Mio. Barrel pro Tag unter dem Niveau lag, das Russland im Rahmen der Vereinbarung mit den Partnern des OPEC+-Bündnisses vorgesehen hatte.
Umfang des Rückgangs und seine Einordnung in die Dynamik
Der Rückgang um 160.000 Barrel pro Tag mag vor dem Hintergrund der weltweiten Fördervolumina gering erscheinen, ist im Kontext der russischen Ölbranche jedoch der steilste monatliche Rückgang seit fast neun Monaten. Wie RBC-Ukraine unter Verweis auf den OPEC-Bericht betont, begann der Abwärtstrend bereits im Dezember 2025 und hat seither einen anhaltenden Charakter. Die Lücke von 1,17 Mio. Barrel pro Tag zwischen der tatsächlichen Förderung und dem im Rahmen der OPEC+ abgestimmten Kontingent zeigt, dass Russland seine Verpflichtungen nicht nur nicht erfüllt, sondern dies mit einer für die aktuelle Phase des Bündnisses rekordverdächtigen Abweichung tut.
Ukrainische Angriffe als Schlüsselfaktor
Laut Bloomberg erfolgt der Rückgang der Förderung vor dem Hintergrund einer systematischen Intensivierung ukrainischer Angriffe auf die russische Raffinerie- und Exportinfrastruktur für Rohöl. Im August 2026 griffen ukrainische Streitkräfte nach Angaben derselben Quellen mindestens 22-mal Raffinerien auf russischem Territorium an. Die Schäden führten zu einem erzwungenen Rückgang der Ölverarbeitung in mehreren Betrieben. Gleichzeitig verhinderten Angriffe auf die Hafen- und Transportinfrastruktur, dass die größten russischen Ölunternehmen überschüssiges Rohöl auf den Export umleiten konnten. Insbesondere wurden im August Schiffe und Anlagen in russischen Südhäfen angegriffen, darunter Noworossijsk — eines der zentralen Zentren des russischen Ölexports über das Schwarze Meer.
Auswirkungen auf den inländischen Treibstoffmarkt und den Export
Die Probleme in der Treibstoffbranche haben sich bereits auf den Binnenmarkt und die Exportpolitik ausgewirkt. Die russische Regierung hat das Verbot für einen Großteil des Dieselexports bis Ende September 2026 verlängert. In mehreren Regionen Russlands wurden erneut Einschränkungen beim Benzinverkauf eingeführt — die Rationierung, die zuvor als vorübergehende Maßnahme galt, ist zur Praxis geworden. Die russischen Behörden überarbeiten nach verfügbaren Angaben bereits die Jahresprognose für die Ölproduktion nach unten und begründen dies mit dem Rückgang der Verarbeitung von Rohöl. Der russische Vizepremier Alexander Nowak charakterisiert den aktuellen Rückgang in öffentlichen Aussagen als „vorübergehend“ und behauptet, dass die Fördervolumina nach Wiederinbetriebnahme der Raffinerien und Stabilisierung der Lage erneut steigen werden.
Widersprüchliche Daten
Beim Abgleich der Daten aus verschiedenen Quellen zeigen sich Abweichungen bei der Bewertung der Förderdynamik auf Ebene des gesamten OPEC+-Bündnisses. Laut dem Bericht, auf den sich 1prime.ru beruft, stieg die Ölproduktion der OPEC+ einschließlich der VAE im August 2026 um 0,3 Mio. Barrel pro Tag. Derweil meldet TASS unter Verweis auf denselben OPEC-Bericht vom September eine Steigerung der Förderung durch die OPEC+-Länder um fast 630.000 Barrel pro Tag. Die nahezu doppelte Differenz lässt sich durch unterschiedliche Berechnungsmethoden erklären (Einbeziehung oder Ausschluss einzelner Länder, Revision der Basismesswerte), doch werden in den öffentlichen Materialien beide Zahlen ohne detaillierte Erläuterung der Abweichungen genannt. Was Russland betrifft, so bedeutet sein Minus von 160.000 Barrel pro Tag vor dem Hintergrund des allgemeinen Anstiegs der OPEC+, dass die übrigen Bündnismitglieder den russischen Rückgang mit Überschuss ausgeglichen haben, was den Druck auf Moskau im Rahmen der internen OPEC+-Konsultationen zusätzlich verstärkt.
Aussichten und Bewertung der Nachhaltigkeit des Trends
Die Kombination mehrerer Faktoren — physische Schäden an den Verarbeitungskapazitäten, Exportbeschränkungen über das Schwarze Meer, inländischer Treibstoffmangel und die Notwendigkeit einer Logistikumschichtung — erzeugt einen strukturellen und nicht nur konjunkturellen Druck auf die russische Ölproduktion. Die Aussage Vizepremiers Nowaks über den „vorübergehenden“ Charakter des Rückgangs wird im OPEC-Bericht durch konkrete Wiederherstellungszeiträume nicht untermauert. Im Gegenteil deutet die Revision der Jahresprognose nach unten darauf hin, dass in Moskau eine Fortsetzung der negativen Dynamik zumindest bis Ende 2026 eingeplant ist. Der nächste OPEC-Monatsbericht, der im Oktober erwartet wird, wird zum entscheidenden Indikator dafür, ob der Abwärtstrend anhält oder nach Abschluss der Reparaturarbeiten in den beschädigten Betrieben eine Erholung einsetzt.