Die Weltmärkte reagieren auf die Verschärfung der geopolitischen Spannungen: Die Ölpreise steigen bereits zum dritten Tag in Folge. Die Futures für Rohöl der Sorte Brent legten um 1 % zu und erreichten einen Wert von 94,74 US-Dollar pro Barrel. Der Anstieg der Kurse steht in direktem Zusammenhang mit dem Scheitern der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran sowie der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen in der Region.
Das Scheitern der Hoffnungen auf eine Waffenruhe
In der vergangenen Woche hatten Washington und Teheran die Erreichung einer vorläufigen Vereinbarung zur Beendigung des Krieges angekündigt. Das Dokument wurde jedoch nie unterzeichnet, und die Lage vor Ort verschlechterte sich drastisch. US-Militärs bestätigten, dass der Iran Raketen auf Bahrain, Kuwait und andere Ziele in der Region abgefeuert hat. Die meisten Munitionsgüter wurden abgeschossen oder verfehlten ihre Ziele.
Experten stellen fest, dass die Märkte mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung gerechnet hatten, doch die Realität erwies sich als härter. Chris Weston, Leiter der Forschung bei der Brokerage-Firma Pepperstone, erklärte: „Die Situation sieht immer gefährlicher aus. Die Menschen kehren mit geringeren Möglichkeiten, ihr Ziel zu erreichen, an den Verhandlungstisch zurück“.
Der Konflikt hat tiefe Wurzeln. Zuvor hatte der US-Präsident Donald Trump vom Iran verlangt, Zugeständnisse bezüglich des Atomprogramms schriftlich zu fixieren, und mündliche Zusicherungen abgelehnt. Die Lage spitzte sich Anfang Juni zu: Am 2. Juni trafen US-Truppen einen leeren Öltanker mit einer Hellfire-Rakete, der die Blockade verletzt hatte. Seit April wurden auf diese Weise bereits sechs Schiffe außer Gefecht gesetzt. In der Nacht zum 3. Juni tauschten sich die Parteien erneut Schläge aus: Der Iran griff Kuwait und Bahrain an, während die USA Gegenangriffe auf die Insel Kisch im Ormus-Straße unternahmen.
Devisenmarkt und US-Wirtschaft
Angesichts der Unsicherheit näherte sich der Dollar dem Niveau von 160 Yen und stoppte kurz vor einem möglichen Eingreifen japanischer Regulierungsbehörden. Der Euro hält sich auf einem Niveau von 1,1627 US-Dollar. Die Investoren richten besondere Aufmerksamkeit auf die Beschäftigungsdaten in den USA: Die Anzahl der offenen Stellen im April stieg auf den höchsten Wert seit fünf Jahren.
Ein starker Arbeitsmarkt dämpft die Erwartungen an eine Lockerung der Geldpolitik. Der Währungsstratege von Corpay, Peter Dragicevic, ist der Ansicht, dass eine Belebung der Wirtschaft die Federal Reserve (Fed) zu einer Zinserhöhung drängen könnte. „Wenn dies Realität wird, könnte dies die Ansicht bestätigen, dass die US-Notenbank die Zinsen in Zukunft erhöhen könnte, was wiederum zu einer Stärkung des Dollars führen könnte“, so der Experte. Die Märkte kalkulieren bereits mit einer Zinserhöhung von rund 18 Basispunkten in diesem Jahr.
Technologiesektor und Kryptowährungen
Während sich der Rohstoffmarkt auf den Krieg einstellt, bewegt sich der Technologiesektor auf seiner eigenen Trajektorie. Die Aktien des Chip-Herstellers Marvell Technology stiegen um 32,5 %, nachdem der CEO von Nvidia, Jensen Huang, das Unternehmen als nächsten Kandidaten für eine Billionen-Dollar-Marktkapitalisierung bezeichnete. Auch in Asien werden Rekorde verzeichnet: Die japanischen Indizes und die Börse von Taiwan erreichten historische Höchststände. Die Investmentfirma SoftBank überholte Toyota und wurde zum wertvollsten Unternehmen Japans.
Im Kryptowährungssektor zeigt sich das genaue Gegenteil. Bitcoin fiel in drei Sitzungen um fast 10 % und sank auf ein zweimonatiges Tief von 66.123 US-Dollar. Analysten führen den Rückgang auf den Verkauf von Vermögenswerten durch einen großen Halter – das Unternehmen Strategy – sowie auf die Entnahme von Mitteln durch Investoren im Vorfeld des auf nächste Woche geplanten IPO von SpaceX zurück.