Die Weltmärkte sahen sich einer scharfen Korrektur gegenüber: Die Ölpreise fielen auf den niedrigsten Stand der letzten vier Monate. Das Signal zum Rückzug gab die Geopolitik – nach indirekten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Katar begannen Investoren massenhaft, Vermögenswerte zu verkaufen, in der Sorge vor einer Entspannung der Spannungen in der Region.
Starker Rückgang der Kurse
Die Handelstage waren vom Absinken geprägt. Futures auf Brent-Rohöl verloren 77 Cent, was 1,1 % entspricht, und sanken auf einen Wert von 70,80 US-Dollar pro Barrel. Der amerikanische Referenzwert West Texas Intermediate (WTI) zeigte einen noch deutlicheren Rückgang: minus 84 Cent oder 1,2 %, bei einem Preis von 67,74 US-Dollar pro Barrel.
Experten führen diesen Rückgang darauf zurück, dass das Ende der gegenseitigen Beschussaktionen zwischen Washington und Teheran die Preise fast auf das Niveau vor Beginn des Konflikts zurückgebracht hat. Der Markt, der zuvor Risiken durch die Schließung wichtiger Seewege in die Preise eingepreist hatte, passt seine Erwartungen nun in Richtung Stabilität an.
Überarbeitung der Prognosen und Pläne der OPEC+
Aufgrund der veränderten Lage überarbeiten große Finanzinstitute ihre langfristigen Prognosen. Der Schweizer Finanzkonzern UBS senkte am Donnerstag die Einschätzungen für den Brent-Ölpreis erheblich. Analysten verweisen auf das Memorandum of Understanding zwischen den USA und dem Iran sowie auf die Wiederherstellung der Transportvolumen durch den strategisch wichtigen Ormus-Sund.
Laut den neuen Berechnungen von UBS:
- Die Prognose für den durchschnittlichen Brent-Preis im September wurde um 25 Dollar gesenkt.
- Die Einschätzung für das Dezemberquartal wurde um 10 Dollar reduziert.
- Es wird erwartet, dass der Durchschnittspreis in der zweiten Jahreshälfte 80 Dollar pro Barrel betragen wird und bis 2027 auf 75 Dollar sinken wird.
Parallel dazu könnten die Länder der OPEC+-Allianz bereits im August eine Vereinbarung über die Wiederaufnahme der Produktionssteigerung treffen, wie Quellen von Reuters berichten. Geplant ist eine Erhöhung der Mengen um etwa 188.000 Barrel pro Tag, was unter den Bedingungen einer schwächeren geopolitischen Prämie zusätzlichen Druck auf die Preise ausüben wird.
Situation bei den Verhandlungen und Sicherheit der Schifffahrt
Auslöser für die Marktreaktion war eine Runde indirekter Verhandlungen, die am 1. Juli in Katar endete. Der US-Präsident Donald Trump erklärte, dass Fortschritte in der Frage der nuklearen Abrüstung Teherans erzielt wurden. Dennoch bleiben trotz positiver Signale zwischen den Ländern ernsthafte finanzielle und territoriale Streitigkeiten bestehen, die einer weiteren Regelung bedürfen.
Ein Schlüsselfaktor, der den Markt beruhigte, war die Bestätigung der Sicherheit der Seewege. Laut dem US-Zentralbefehlshaber bleibt die Schifffahrt durch den Ormus-Sund offen. Dennoch bleiben die Marktteilnehmer trotz des Preisverfalls vorsichtig und warten auf weitere Schritte zur Umsetzung der Vereinbarungen.