Wolodymyr Selenskyj hat eine offene Ansprache an Wladimir Putin veröffentlicht, in der er einen Waffenstillstand und den Beginn von Verhandlungen vorschlägt. Das Dokument erschien vor dem Hintergrund von Aussagen des ukrainischen Führers, wonach Kiew zu direkten Kontakten mit Moskau bereit ist, ohne auf das Ende anderer globaler Konflikte zu warten, mit denen sich die USA derzeit beschäftigen.
Das Angebot von Kiew: „Wir bleiben dort, wo wir stehen“
Im Text des Briefes stellt Selenskyj fest, dass Russland den Donbass in diesem Jahr nicht einnehmen wird. Die Hauptaussage des Dokuments ist ein Aufruf zum Ende des Krieges. Der ukrainische Führer schlug vor, einen Waffenstillstand während der Verhandlungen auszurufen und die Truppen an der aktuellen Trennlinie zu stoppen, wobei er die Formulierung „wir bleiben dort, wo wir stehen“ verwendete.
Neben der direkten Ansprache an den russischen Führer hat der Brief weitere Ziele. Wie der Berater des Präsidenten, Dmytro Lytvyn, erklärte, richtet sich das Dokument nicht nur an Putin, sondern auch an die Partner der Ukraine, insbesondere die USA. Der Außenminister Andriy Sybiga bestätigte, dass der Text über alle diplomatischen Kanäle übermittelt werden wird. Im Team von Selenskyj wurde betont, dass der Inhalt der Botschaft auch an einflussreiche Gruppen innerhalb Russlands gerichtet ist.
Reaktion des Kremls und Position Putins
Wladimir Putin selbst hat den Brief noch nicht öffentlich bewertet. Der Pressesprecher des Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte, er habe den Text gelesen, merkte jedoch an, dass der Staatsoberhaupt später darüber informiert werden wird. Peskow wiederholte auch die Standardposition des Kremls: Wenn Selenskyj wirklich an Verhandlungen interessiert ist, muss er persönlich nach Moskau kommen.
Bereits vor dem Erscheinen von Selenskyjs Brief hatte Putin eine Reihe von Aussagen zum Verlauf des Krieges gemacht. Er variierte die Themen von Drohungen mit dem Einsatz neuer Waffenarten gegen Wohnviertel bis hin zur Bereitschaft zu „Kompromissen“. Der russische Führer erwähnte erneut den „Geist von Anchorage“ und schloss Pläne für den Donbass nicht aus.
Kommentar von Donald Trump
Der offene Brief löste auch in Washington Reaktionen aus. Donald Trump äußerte sich zur Situation und zeigte sich zufrieden darüber, dass die Parteien die Möglichkeit eines Treffens diskutieren. Er nannte dies einen „wunderbaren“ Schritt und stellte fest, dass die USA erhebliche Anstrengungen unternommen haben, um Bedingungen für den Dialog zu schaffen.
Der amerikanische Führer charakterisierte sowohl Russland als auch die Ukraine als „wunderschöne Länder“ und ihre Führer als „sehr gute Menschen“. Trump wiederholte auch seine Behauptungen, dass im Verlauf des Konflikts monatlich 25.000 Menschen sterben, und drückte die Zuversicht aus, dass die Parteien zu Kompromissen kommen werden.
Besonders betonte Trump die Rolle der amerikanischen Unterstützung und erklärte, dass die Ukraine ohne die Hilfe der USA „nicht einmal ein oder zwei Tage überlebt hätte“.