Das Abschalten weißrussischer Relaisstationen, die Russland zur Steuerung von Drohnen nutzte, wurde zu einem Wendepunkt in der Taktik der Luftangriffe. Laut Serhij „Flash' Besskrystnow, Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, werden die Angriffe mit „Schahed'-Kamikaze-Drohnen auf Kiew und die westlichen Regionen des Landes zwar fortgesetzt, aber ihr Charakter wird sich grundlegend ändern.

Übergang zu „blindem' Management

Die wichtigste Folge des Abbaus der Relaisstationen ist der Verlust der Möglichkeit, Drohnen in Echtzeit zu steuern. Ohne die Unterstützung des Funkkanals können russische Operatoren den Flug nicht mehr korrigieren oder Befehle während des Fluges erteilen. Die Angriffe werden nun ausschließlich nach vorprogrammierten GPS-Koordinaten durchgeführt.

Dies verringert erheblich die Flexibilität und Präzision der Schläge und verwandelt komplexe Operationen in vorhersehbare Flüge entlang von Navigationspunkten, die ukrainische Luftabwehrsysteme leichter verfolgen und abschießen können.

Verlust des Aufklärungspotenzials

Für die russische Seite bedeutet der Verlust der Relaisstationen nicht nur einen Ausfall der Steuerung, sondern auch das Scheitern der Aufklärungsfunktion. Zuvor nutzten die Besatzer diese Netzwerke für aktive Aufklärung, um das Gebiet nach Objekten der kritischen Infrastruktur und Positionen ukrainischer Flugabwehrsysteme abzusuchen.

Besskrystnow betont, dass diese Möglichkeit nun verschwunden ist. Russland verliert die Fähigkeit, Daten über die Position der Verteidiger in Echtzeit zu sammeln, was die Planung von Angriffen erheblich erschwert und weniger effektiv macht.

Ende der Angriffe auf bewegliche Ziele

Ein weiteres wichtiges Change wird das Ende von Online-Angriffen auf bewegliche Ziele sein. Um Lokomotiven oder manövrierende Luftabwehrfahrzeuge zu treffen, sind ein stabiles Mesh-Netzwerk und ein Funkkanal zur Steuerung erforderlich, die es ermöglichen, die Drohne während des Fluges umzuleiten. Ohne weißrussische Relaisstationen wird eine solche Taktik unmöglich.

Verlust der „Korridore' für den Durchbruch

Der Berater des Verteidigungsministers hob besonders hervor, dass Russland die Möglichkeit verloren hat, Korridore zwischen ukrainischen Abfangjägern zu suchen. Zuvor wurden an die Drohnen nach oben gerichtete Kameras montiert, um das Fehlen von Luftabwehrraketen festzustellen und dies den Operatoren zu signalisieren. Dies ermöglichte es, sichere Routen für massierte Wellen von Drohnen zu planen. Nun funktioniert dieser Mechanismus ebenfalls nicht mehr.

Ablauf der Ereignisse: vom Ultimatum zum Ergebnis

Die Situation rund um die Relaisstationen entwickelte sich rasch. Vor einer Woche warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Minsk und gab Alexander Lukaschenko sieben Tage Zeit, um vier Relaisstationen in den Gebieten Homel und Brest freiwillig zu demontieren. Im Falle einer Weigerung drohte Kiew, diese Operation eigenständig durchzuführen.

Die Drohung hat gewirkt. Bereits wenige Tage später stellten weißrussische Medien fest, dass „Schaheds' seit drei Tagen nicht mehr entlang der Grenze fliegen. Am 24. Juni bestätigte Selenskyj offiziell, dass die Relaisstationen ihre Arbeit eingestellt haben, was eine neue Phase im Konflikt an der Luftfront markierte.